Titel: 50. Biennale Venedig , 2003

GROSSBRITANNIEN: Chris Ofili Who is afraid of red, black and green? Chris Ofili hat den Pavillon Großbritanniens einem totalen Gestaltungsgestus unterworfen. Die Wände, die Oberlichter, die Kunstwerke – alles ist ausnahmslos auf die Farben Rot, Schwarz und Grün reduziert. Selbst der Union Jack, nationales Symbol des Vereinigten Königreichs, wurde dem strikten Dreiklang angepasst. Dieser Übergriff auf die Heraldik ist das wohl deutlichste Signal dafür, dass Ofilis Farbwahl nicht nur von einer ästhetischen Obsession bestimmt wird, sondern in einem politisch-ideologischen Kontext steht. Rot, Schwarz und Grün sind die Farben einer transnationalen Flagge, die im Zusammenhang mit der Universal Negro Improvement Association (UNIA) aufkam, einer Organisation zur Stärkung schwarzer Autonomie. Sie wurde 1914 von Marcus Garvey auf Jamaica gegründet und erhielt später, nachdem ihr charismatischer Führer 1917 die Zentrale der UNIA nach New York verlegt hatte, massenhaften Zulauf von den Schwarzen Amerikas. Ofili beruft sich auf Garvey und rückt damit einige historische Details ins Blickfeld, über die der Aufbruch der Schwarzen in den USA mit der britischen Geschichte verknüpft ist. London, wo Ofili von 1987 bis 1993 studiert hat, ist nicht nur die letzte Lebensstation von Marcus Garvey, hier hat der gelernte Drucker zwei Jahre vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs mit einem Buch Bekanntschaft gemacht, das ihn nachhaltig beeinflussen sollte: „Up From Slavery“ des amerikanischen Bildungspolitikers und Sozialreformers Booker T. Washington wurde für Garvey zu einer Offenbarung seiner künftigen Ziele.

London als Fokus, in dem sich die Biographie Garveys mit der Ofilis ideel kreuzt: Derlei Bezüge gehören zu dem Geflecht an Konnotationen,…

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von Michael Hübl

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