Titel: 50. Biennale Venedig , 2003

CLANDESTINE

Es ist nur ein Detail, aber es ist ein symptomatisches für die Ausstellungen, die Francesco Bonami verantwortet: Statt durch den gewohnten Haupteingang betreten die Besucher der Arsenale die Ausstellungsräume durch einen Nebeneingang. Um mehrere Ecken herum geht es in den eigentlichen Ausstellungsraum, der aber seine Dimensionen nicht offen legen will. Ein derartiges Entree ist irritierend, vor allem, wenn dieser Eintritt dann eben keine Offenbarung bietet. Die Gründe für einen derartigen Umweg lassen sich nur erahnen. Wollte Francesco Bonami seine ,Heimlichen Passagiere‘ nicht zu schnell der Öffentlichkeit Preis geben? Oder wollte er sich nicht dem Vergleich zu Harald Szeemann aussetzen, dessen Riesenbaby von Ron Mueck am Eingang zu dem Bildmotiv der Biennale von 2001 wurde. (Heute spielt Christoph Schlingensief diese Rolle, zumindest hat sein Konterfei vergleichbares Film- und Fotomaterial verbraucht.) Das Baby unter dem grünen Anorak von Hannah Greely wirkt wie eine verfehlte Referenz auf das Werk von Ron Mueck. Sollte der Schriftzug von Sam Durant mit dem Text ,See you next August in Chicago‘, der einen als erstes Werk begrüßte, als Warnung verstanden werden gegen zu hohe Erwartungen? Oder war das nur eine ironische Volte auf den amerikanischen Arbeitsort des Leiters dieser Biennale?

In der Verschachtelung der Räume wird jede Dramaturgie aufgehoben. Die Ausstellung zerfällt in Einzelwerke, die keinen Kontext herstellen, weil ihnen auch die Höhepunkte fehlen, an die sich der Blick fesseln kann. Wenn dann auch noch ein im wahrsten Sinne ausgewogenes Tischensemble von Francisco Tropa am Wegesrand steht, dann wird diese Verlorenheit nur noch verdeutlicht. In den Basteleien von…

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von Thomas Wulffen

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