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Ausstellungen: Bayreuth/Köln · von Reinhard Ermen · S. 428 - 428
Ausstellungen: Bayreuth/Köln , 1996

Reinhard Ermen
ROSALIE Typ 1 DIN 67520

Kunstverein Bayreuth, 28.7. – 24.8.1996
Galerie Orangerie Reinz, Köln, 14.9. – 30.10.1996

Gudrun Müller, bekannter unter dem Namen Rosalie, war im Kunstverein Bayreuth und der ortsansässigen Galerie Meyer zu Gast: Typ 1 DIN 67520 heißt ihre Ausstellung. Unter dieser Nummer hat eine ordnungssüchtige Bürokratie den standardisierten „Verkehrsleitkegel“ abgelegt; ein freundliches spitzes Hütchen, etwa kniehoch, das durch seinen Farbwechsel von Rot und Weiß hilft, Straßenbaustellen zu markieren. Rosalie setzt auf diese Leitkegel ungelenke, kleine Köpfe, die mit farbigem Plexiglasgranulat bestreut sind. Die Zwerge, welche ihre Köpfe auf den Mützen tragen, mögen symptomatisch für das stehen, was Rosalie liebt: Kunststoffe und deren grelle, unbefangene Farbigkeit in zweckentfremdeten bzw. neugedeuteten Zusammenhängen, die vom Licht einer sommerlich heiteren Ironie beschienen sind.

Rosalie ist nicht Irgendwer. Im gleichen Bayreuth, im Richard Wagner Festspielhaus hat sie als Ausstatterin den „Ring des Nibelungen“ realisiert, eine Produktion, die eben ins dritte Jahr ging. Ihre Bayreuther Doppelausstellung reflektiert die langjährige Arbeit an Wagners Riesenwerk, und so heißt die Arbeit mit den lustigen Leitkegeln auch „Heldenstück“. Weitere „Stücke“ (der Terminus, in dem noch etwas von längst untergegangenen akademischen Traditionen mitschwingt, hat es ihr angetan) folgen: Große und Kleine Rheinstücke, Zwergen- und Riesenstücke, Walkürenstücke, Götter- und Drachenstücke etc. Die Phantasie der „Ring“-Bühnenbildnerin spielt verrückt. Die Ausstellung wird zum Feuerwerk, Versatzstücke ihrer Ästhetik werden für den Augenblick abgefackelt. Das Verfallsdatum ist schon in Sicht, und auch das gehört bei ihr zum Spiel mit dem Feuer. Einzelteile der Szene verselbständigen sich, wie zum Beispiel die stark profilierten Brustpanzer, die…



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