Ausstellungen: Karlsruhe · von Michael Hübl · S. 379
Ausstellungen: Karlsruhe , 2013

Michael Hübl

Sasha Waltz

»Installationen – Objekte – Performances«

ZKM Karlsruhe, 28.9.2013 – 2.2.2014

Aufregendes Theater, schrieb der Autor Tennessee Williams an den Regisseur Elia „Gadge“ Kazan, sei zur Hälfte „plastic art“. Der Dramatiker, der sich auch schon mal nackt in tänzerisch-schreitender Pose am Strand von Provincetown fotografieren ließ, sah mithin einen engen Zusammenhang zwischen der Bühnenkunst und einer Gattung, die im Deutschen vorwiegend unter dem Begriff ‚Bildhauerei‘ firmiert, obschon zum dreidimensionalen Gestalten nicht nur gehört, dass etwas aus Holz gehauen oder in Stein gemeißelt wird. Gerade die Moderne hat sich eher dem Modellieren und Modulieren zugewandt. Ihre programmatische Bereitschaft, Grenzen zu überschreiten und transdisziplinär vorzugehen, fand insbesondere in der Begegnung von Tanz und Bildhauerei leichtes Spiel. Zumal unter der Prämisse, dass es sich in beiden Fällen um plastisches Gestalten handelt, das sich zunächst nur im Aggregatszustand unterscheidet – statisch oder bewegt.

Wobei der Übergang von der einen Kunstform in die andere gemeinhin offenbar als Einbahnstraße wahrgenommen wird. So, als ob die Übungen im Ballettsaal oder die Aufführungen im Theater zwar die bildenden Künstler inspirierten, umgekehrt aber die Bildhauerei für die Tanzkunst allenfalls von marginalem Belang sei. Ausstellungen wie „TanzPlastik“, die das Georg Kolbe Museum 2012 zum 100. Geburtstag der Kolbe-Bronze „Die Tänzerin“ zeigte, bestätigen diesen Eindruck. Das Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) wendet sich nun in die entgegengesetzte Richtung. Es widmet der Choreografin Sasha Waltz eine groß angelegte Werkpräsentation, und deren Fazit könnte sein: Tanz ist die Fortsetzung von Bildhauerei mit dynamischen Mitteln. Besser noch: Tanz ist Bildhauerei.

Das 1922 uraufgeführte „Triadische Ballett“…

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