Titel: 51. Biennale Venedig , 2005

Michael Hübl

Spanien

Antoni Muntadas – „On Translation: I Giardini“

Die Welt als Tautologie. Die Wirklichkeit wird Kunst, also fällt die Kunst, wenn sie die Wirklichkeit sucht, auf sich selbst zurück. Daraus folgt: Je artifizieller sich die Wirklichkeit darstellt, desto sachlicher muss die Kunst werden. Je mehr die Lebensräume Inszenierungen gleichen, je geschmeidiger die Grenzen zwischen Fakten und ihrer propagandistischen Aufbereitung überschritten werden, je leichter virtuelle und realitätsbezogene Bilder miteinander zu verwechseln sind, desto genauer, desto nüchterner, desto prosaischer geht die Kunst vor. Mit nachgerade wissenschaftlicher Akribie nimmt sie eine Wirklichkeit unter die Lupe, die eigentlich ihresgleichen, nämlich: künstlich ist.

Antoni Muntadas hat – wie andere vor und neben ihm – aus der Umkehrung der Verhältnisse die Konsequenz gezogen und nutzt den Spanischen Pavillon als Forum, um soziale, politische und kulturelle Zusammenhänge anschaulich zu machen. Dabei dient das 1922 errichtete, 1948 und 1952 renovierte Gebäude nicht nur als Ausstellungslokalität. Vielmehr bezieht Muntadas den Pavillon, aber auch die „Giardini“, die unter Napoleon angelegten öffentlichen Parkanlagen, und das Gesamtunternehmen Biennale in seine analytischen Beobachtungen mit ein, indem er sein als Langzeitstudie angelegtes Projekt „On Translation“ auf die venezianischen Gegebenheiten ausdehnt.

35 Einzeluntersuchungen hat Muntadas seit seiner Arbeit „The Pavillon“ vorgenommen, die er 1995 in einem öffentlichen Pavillon der Stadt Helsinki einrichtete. Damals bezog sich „On Translations“, der bis heute gültige Oberbegriff des Unternehmens, noch unmittelbar auf das Thema der künstlerischen Analyse: Muntadas nahm die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE), die zwei Jahrzehnte zuvor in der finnischen Hauptstadt zusammengetreten war, zum Anlass, die öffentliche Sprache…

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von Michael Hübl

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