Titel: 51. Biennale Venedig · von Michael Hübl · S. 164
Titel: 51. Biennale Venedig , 2005

Michael Hübl

Deutschland

Tino Sehgal/ Thomas Scheibitz

Gibt es eine Malerei nach der Malerei? Die Frage ist im Verlauf des zurückliegenden Jahrhunderts dermaßen oft erörtert worden, dass sie inzwischen als Indikator für das je aktuelle Nachfragepotenzial nach gemalter Kunst herhalten kann, welches womöglich in einer direkten Relation zum zyklischen Verlauf der Wirtschaft steht. Darüber hinaus kann man die Frage auch als obsolet erachten, weil sich die künstlerische Praxis spätestens seit der Postmoderne in alle möglichen gleichberechtigten Richtungen aufgefächert hat. Und man kann die Frage, ob denn eine Malerei nach der Malerei möglich ist, erweitern, indem man sie als Aufforderung versteht – als Aufforderung, Bilder zu malen, die sich in keinerlei Hinsicht vereinnahmen lassen. Bilder zu malen, die keine narrativen Botschaften transportieren oder figurative Propaganda betreiben. Die sich auch nicht als gestisch abstrakter oder expressiver Ausdruck einer Einstellung zum Leben und zur Gesellschaft begreifen, ja, die nicht einmal den Ausweg in die reine Form und sachliche Exaktheit der Konkreten Kunst wählen.

Eine solche Malerei jenseits von Gut und Böse sei, so wird behauptet, die Malerei von Thomas Scheibitz. Sie wahrt ihre vollkommene Autonomie – etwa dadurch, dass sie nicht bei den formalen Parametern Fläche und Farbe stehen bleibt, sondern gegebenenfalls in die Dreidimensionalität ausgreift, ohne deshalb in die Attitüde der Grenzüberschreitung zu verfallen. Dieses „ohne dass“ ist das zentrale Merkmal der Arbeiten von Thomas Scheibitz. Positiv benannt sind es die schwer greifbaren, kaum oder gar nicht zu definierenden Zwischenräume und Leerstellen zwischen den Dingen, Begriffen und Zeichen, denen sich Scheibitz widmet und die man sehr…

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