Titel: Hot Spot Tropen · S. 174
Titel: Hot Spot Tropen , 2009

Roberto Cabot

Tropicalismo

Der Ausdruck Tropicália wurde bereits 1967 mit der begehbaren Installation von Hélio Oiticica zu einem Synonym und erfasste als solches auch andere Künste. Ein seltenes Beispiel einer machtvoller Synergie zwischen den Kunstformen – zu einem Zeitpunkt, wo diese sich im Prozess der Anerkennung und der Annäherung an das Alltagsleben befanden – wurde eine Ausstellung im Museum für Moderne Kunst in Rio de Janeiro und die dort ausgestellte, inzwischen berühmte Installation „Tropicália“ von Oiticica zum Initial für eine Schaffensexplosion, die neben den bildenden Künsten das Theater, die Musik, den Film, die Dichtung und die Mode einschloss.

Positive Kraft der Musik

Die modernistische Bewegung der Anthropophagie (meint die menschenfresserische, barbarische Einverleibung kultureller Vielfalt und Differenz) hatte sich bereits der tropischen Eigenschaft bemächtigt, jedoch ohne den Begriff zu verwenden, da dieser im Kreise der europäisierten einheimischen Eliten abwertend besetzt war. Der Wunsch der brasilianischen Modernisten, lokale Elemente zu destillieren, um damit ein künstlerisches Universum zu entwickeln, das ihrer lokalen Wirklichkeit entsprach, war in den allgemeinen formellen und ästhetischen Bezügen des Tropicalismo der späten 1960er Jahre bereits angedeutet.

Der Tropicalismo revolutionierte nicht nur die brasilianische Populärmusik (Música Popular Brasileira), sondern trug auch wesentlich zur Entwicklung verschiedener Stilrichtungen der internationalen Musik bei. Sie beeinflusste nachhaltig das was später als „World Music“ bekannt werden sollte: eine Mischung aus Klängen unterschiedlichster ethno-kultureller Ursprünge. (siehe Abb. 1)

Es war für die Protagonisten dieser Bewegung nicht so einfach, die Ziele ihre Aktionen jener Zeit klar zu definieren. Ihren Aussagen ist zu entnehmen, dass ihre Gesten nicht an rationale Überlegungen gebunden waren, sondern…

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