Gespräche mit Kunstvermittlern , 1989

Kaspar König:

Umstrittene Künstler sind die besten Lehrer

EIN GESPRÄCH MIT KARLHEINZ SCHMID

K.S.: Du hast dich als Rektor der Frankfurter Städelschule in den vergangenen Monaten immer wieder für Hermann Nitsch eingesetzt und gefordert, daß die von der Frankfurter Hochschule für bildende Künste gewünschte Berufung des Künstlers zum Professor für Interdisziplinäre Künstlerische Arbeit durch den Minister erfolgt. Weist dieses Engagement vor allem auf die Befürchtung hin, daß die Autonomie der Hochschule gefährdet ist? Oder geht es primär um den Künstler und Pädagogen Nitsch?

K.K.: Das ist doch selbstverständlich. Als Rektor vertrete ich die Schule und die Entscheidungen des Rates, der sich aus allen Hochschullehrern/innen und Studentenvertretern/innen zusammensetzt. Die Beschlußlage ist eindeutig – einstimmig, bei einer Enthaltung für den Künstler Hermann Nitsch. Über die Zukunft von Lehre und Forschung entscheidet die Schule. Die formale Berufung der Professoren ist dem Wissenschaftsminister des Landes Hessen vorbehalten, und unser dezidierter Wunsch und die Bereitschaft des Künstlers Hermann Nitsch, den Lehrstuhl für Interdisziplinäre Künstlerische Arbeit zu übernehmen, sind doch gar nicht von der Frage der Autonomie der Hochschule zu trennen. Unserer Entscheidung sind ausführliche interne Diskussionen vorausgegangen.

K.S.: Welche Rolle soll Hermann Nitsch an der Schule spielen? Warum haben sich die Hochschulgremien für diesen Aktionisten entschieden? Wird seine Haltung im Kollegium gebraucht? Was kann er den Studenten vermitteln?

K.K.: Hermann Nitsch war dreimal Gastdozent an der Städelschule und hat auf sehr intensive Weise gewirkt. Er ist also nicht nur als bedeutender, wenn auch umstrittener Künstler bekannt, sondern auch als besonders motivierter Pädagoge, der sein umfassendes Wissen der Kunstgeschichte und Literaturgeschichte,…

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