Kunstforum-Gespräche , 2018

Von der Existenzlust

Paul Nizon im Gespräch mit Heinz-Norbert Jocks

Der Wahlpariser Paul Nizon, 1929 in Bern geboren, begann seine Karriere als wissenschaftlicher Assistent am Historischen Museum in Bern. Seinen prestigeträchtigen Posten bei der NZZ als leitender Kunstkritik gab er zugunsten eines unsicheren Lebens als Schriftsteller auf. Der französische Regisseur Frédéric Beigbeder bescheinigte Paul Nizon: Er sei „einer der besten Schriftsteller der Welt. Er hätte längst den Nobelpreis bekommen müssen.“ Der Suhrkamp Verlag hat nun eine Auswahl seiner Kunstschriften unter dem Titel „Sehblitz“ herausgebracht. Bei deren Lektüre lässt sich nachvollziehen, wie aus dem Kunstkritiker einer der bedeutendsten Schriftsteller wurde.

Heinz-Norbert Jocks: Du hast in jungen Jahren bis 1959 nicht nur als wissenschaftlicher Assistent am Historischen Museum in Bern gearbeitet, sondern 1961 auch als leitender Kunstkritiker der NZZ. Dein erstes literarisches Buch Die gleitenden Plätze erschien 1959, nachdem du deine ersten Kunstkritiken geschrieben hast.

Paul Nizon: Ja, aber das literarische Schreiben setzte bereits im Jünglingsalter ein. Doch die ersten Publikationen in den 50ern waren Kunstkritiken. Die ersten Texte schrieb ich nach Abschluss meines Studiums auf Anfrage der NZZ als Assistent am Historischen Museum in Bern. Schräg gegenüber befindet sich die Kunsthalle. Deren damaliger Direktor war Arnold Rüdlinger. Er hat die moderne Kunst sowie die Avantgarde bis zur Gegenwart in Ausstellungen didaktisch aufgearbeitet, und ich schrieb über all die hochkarätigen Ausstellungen. Ich weiß nicht mehr, wie es dazu kam, dass ich gebeten wurde, die Berichterstattung zu übernehmen. Später wurde ich leitender Kunstkritiker, das nur nebenbei. Damals war die Kunsthalle mit seinem aufklärerischen Programm und progressiven…

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von Heinz-Norbert Jocks

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