Ausstellungen: Hamburg , 2012

Hajo Schiff

Wahlverwandschaften

»Imagination des Nomadischen in der Gegenwartskunst«

Museum für Völkerkunde, Hamburg, 7.2. – 6.5.2012

Ein Schlitten, ein Zelt, Fotos von Beduinen und ein Video aus der Mongolei – alles das ist in einem Museum für Völkerkunde zu erwarten. Doch hier sind es keine mehr oder weniger authentischen Verweise auf andere Lebensweisen, sondern autonome Kunstwerke: Der Schlitten ist der von Joseph Beuys mit Filzdecke, Fett und Taschenlampe von 1969. Prompt liegt die Frage nahe, was denn magischer sei: Ein ethnologisch nachweislich religiöses Objekt der Schamanen oder ein Artefakt aus dem System der sog. „westlichen“ Kunst. Kaum ein anderer Künstler hat selbst so viele Bezüge zu Schamanen und Nomaden behauptet, wie Joseph Beuys. So ist sein „geistiges Gefährt“ in einer den „Imaginationen des Nomadischen“ gewidmeten Kunstausstellung unbedingt notwendig.

Die vom Kunstkritiker Peter Herbstreuth kuratierte Schau ist ein Experiment: Nur selten wird eine völkerkundliche Schau parallel mit zeitgenössischer Kunst kombiniert. In Anbetracht der von der Ethnologie abweichenden Kontextualisierung ist „Wahlverwandtschaften“ ein passender Titel. Denn Kunst verwendet eine eigene, von romantischen Umdeutungen nicht freie Vorstellung des Nomadischen: In ihrer Phantasie kann jedes Ausbrechen aus starren Ordnungen, jedes ungeplante Umherschweifen, alles Fließende, Mobile und Unbestimmte mit der Idee des Nomadischen in Verbindung gebracht werden.

Kleidung als tragbares Haus für „Stadtnomaden“ (Nada Sebestyén), Videos über Hamburger, aus dem Iran stammende Teppichhändler (Maja Weyermann) oder Foto- und Hörcollagen von Reiseberichten (Rémy Markowitsch) sind deshalb ebenso Teil der Ausstellung, wie noch zu DDR-Zeiten gezeichnete Archivkarten der Dresdner Sammlung von Nomadenteppichen. Der nach Meinung des Kurators unterschätzte, 1999 gestorbene Maler Wilhelm Müller nahm…

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