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Magazin: Kulturpolitik · von Jochen Becker · S. 308 - 315
Magazin: Kulturpolitik , 1995

Jochen Becker
»Wir fordern die sofortige Schließung der Stadt Zürich«

Shopping-Center der Kunst, Gentrification und die Definition des Öffentlichen Raums

Zwei parallele Zürcher Ausstellungen reagieren auf die Zuspitzung eines Konflikts, der sich hinter dem Schlagwort ‘Letten` verbirgt. Auf diesem brachliegenden Bahnareal an der Limmat versammelte sich die offene Drogenszene, nachdem sie 1992 vom unweit flußaufwärts gelegenen Platzspitz-Park vertrieben wurde. Im Frühjahr 1995 – und somit auch im Blickfeld der beiden Ausstellungen – zerschlug die Polizei die Letten-Szene. Die dokumentarisch angelegte Kunst-präsentation ‘Platzwechsel`, vom zu Beginn der achtziger Jahre in Zürich wohnenden Künstler Christian Philipp Müller zusammen mit seinen KollegInnen Ursula Biemann, Tom Burr und Mark Dion für die Kunsthalle konzipiert, befaßt sich mit dem ehemaligen ‘Needle Park` Platzspitz. Im Museum für Gestaltung (MfGZ) versuchten die Ausstellungsmacher Martin Heller und Claude Lichtenstein gemeinsam mit dem Ethnologen Heinz Niggs, mit ‘Letten it be. Eine Stadt und ihr Problem` die Reaktionen aus der Perspektive einiger Quartiersanwohner aufzuarbeiten.

‘Kultur im Kreis 5` nennt sich eine Initiative, die das durch Drogen image-geschädigte Quartier aufwerten will. Die dort mit ihrer Zentrale ansässige Einzelhandelskette Migros-Genossenschaft-Bund (MGB) und das Museum für Gestaltung sind hierbei mit von der Partie. Zudem wird MGB durch Einbringen einer beachtlichen Kunstsammlung ab Frühjahr 1996 die Etablierung eines neuen Museums, aber auch den Aufbau eines verkehrsgünstig gelegenen Kunst-Superzentrums im innenstadtnah gelegenen und denkmalgeschützten Löwenbräu-Gebäude am Ende der Autobahn forcieren. Jüngster Plan zur Aufwertung des Quartiers ist die Übersiedlung der abrißgefährdeten Kunsthalle, einiger Galerien für aktuelle Kunst nebst dazugehöriger freizeitkultureller Infrastruktur oberhalb des Migros-Museums. Am Beispiel Zürich…


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