Ausstellungen: Berlin , 1988

Thomas Wulffen

A. R. Penck

Nationalgalerie, 22. 4.-5.6.1988 Kunsthaus Zürich, 24.6.-14.8.1988

Er ist scheinbar der einzige deutsche Maler, der seine Geschichte und seine Geschichte Deutschlands im Symbol der Trennung sieht. Die Retrospektive in der Nationalgalerie Berlin bot einen diskreten Hinweis darauf. In einer vom Künstler entworfenen Ausstellungsarchitektur war kein zentraler Eingang auszumachen, aber die wirksame Trennung zweier Ausstellungshälften. In den leeren Raum des Erdgeschosses im Mies-van-der-Rohe-Bau wurden acht Meter hohe Wände eingezogen. In der einen Hälfte befanden sich die Arbeiten, die noch in der DDR entstanden, in der anderen die, die nach dem Übertritt in der BRD geschaffen wurden. 1984, vier Jahre nach diesem Übertritt, notierte er im Ausstellungskatalog ‚von hier aus‘: „Quo vadis Germania?… Geht mich das etwas an? Was habe ich zu tun mit dem deutschen Problem?“ Vier Jahre nach diesem Statement kann die Trennung als Faktor des bildnerischen Werks von A. R. Penck von ihm selber anerkannt werden. Wer allerdings diese Trennung als Metapher oder Symbol als grundlegend für das Werk von Penck betrachtet, sähe sich wohl doch bald auf dem Holzweg. Die hohen Wände haben vorderrangig einen instrumentellen Charakter. Erst in dieser Architektur, hinzugefügt zu der gegebenen, lassen sich die großformatigen Arbeiten des Künstlers als Gesamtes präsentieren, was sich allerdings nicht auf den Blick des Betrachters bezieht. Denn wo ein Überblick möglich wäre, verstellen kleinere Ausstellungskojen den Blick. Der Betrachter ist aufgefordert, das Gemälde aus einzelnen Wahrnehmungen zu konstruieren, was im Falle eines aus sechs Reihen bestehenden jeweils vierzehn Bilder umfassenden Bildzyklus seine Berechtigung hat, aber gerade in den…

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