Ausstellungen: Kaiserslautern , 1988

Sigrid Feeser

Matisse und seine deutschen Schüler

Pfalzgalerie, 28.5.-17.7.1988 Ostdeutsche Galerie Regensburg, 28.7.-18.9.1988

„Picasso – Matisse – Matisse -Picasso – aus denen besteht eigentlich die lebende Malerei in Paris“, schrieb Franz Marc 1912 aus der damals aufregendsten Kunstmetropole der Welt an Wassily Kandinsky, und obwohl für den Kreis der Künstler um den „Blauen Reiter“ dann doch eher Robert Delaunay eine entscheidende Rolle spielte, gehörten die beiden Maler zu den am meisten diskutierten

Avantgardekünstlern der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg.

Während Picasso nie Schüler annahm, ließ Matisse sich von einer kleinen Gruppe junger Künstler zur Korrektur an ihren Arbeiten überreden, vor allem von Hans Purrmann, dem er als erstem angeboten hatte, ihm „zu größerer Freiheit, zu einem Sichgehenlassen“ zu verhelfen. Die sich daraus entwickelnde, von Amerikanern, Skandinaviern, Ungarn, Polen, Österreichern und Deutschen frequentierte „Académie Matisse“ bestand von 1908 bis 1912. Sie blieb allerdings schon insofern Experiment, als Matisse es stets strikt abgelehnt hatte, irgendwelche Malrezepte zu vermitteln, und seine pädagogischen Interventionen im Wesentlichen „auf Rat und Urteil, ohne jemals Hand anzulegen“ beschränkte.

Schon ziemlich bald zeigte sich, daß die Schüler weder mit der souveränen Großzügigkeit ihres Lehrmeisters, noch mit seiner Kunst der kühnen, auf dekorative Farbmusterungen angelegten Formen konkurrieren konnten oder wollten. Die Deutschen malten genauer, sie blieben näher am Gegenstand als der um „Abbildung“ sehr-unbekümmerte Franzose Matisse, ihre Bilder waren räumlicher angelegt, und sie malten wesentlich konventioneller.

Sieht man sich die außerordentlich sorgfältig erarbeitete Kaiserslauterer Ausstellung freilich auf konkrete Anregungen hin an, so scheint weniger Matisse als Cézanne der geheime Bezugspunkt dieser jungen Künstler gewesen zu sein;…

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