Monografie , 1988

Gerard Gasiorowski

Der Weg zur Malerei

Von Friedemann Malsch

Ende der 60er strahlte noch einmal eine Supernova des Realismus mit voller Kraft: der Hyperrealismus. In den USA wendeten ihn Chuck Close, John De Andrea u. a. als kritisches Instrument gegen die Gesellschaft des Spätkapitalismus. In Europa war der Gesellschaftsbezug dagegen weniger klar. Deutlicher waren hingegen jene Tendenzen, die die Malerei selbst zum Thema machten. Mehr noch als Gerhard Richter, der hauptsächlich in den malerischen Techniken die Lösung des Problems suchte, war Gérard Gasiorowski (1930 – 1986) von der Malerei als einer ursprünglichen Ausdrucksform überzeugt. Er nahm die Malerei so ernst, daß er nach seinen ersten internationalen Erfolgen in der zweiten Hälfte der 60er Jahre den einmal gefundenen Stil aufgab. Statt dessen wählte er das persönliche Abenteuer einer regressiven Suche nach der Basis von Malerei als einer grundlegenden, konkreten kulturellen Praxis. Damit fand er zu einer substanziellen künstlerischen Tätigkeit. Daß dieser archetypisch wirkende Ansatz durchaus auch für die Moderne seine Gültigkeit hat, zeigt ein Satz Picassos, der sich zu den afrikanischen Fetischen, die er kurz vor der Entwicklung des Kubismus entdeckt hatte, einmal äußerte: „Es sind Werkzeuge. Denn wenn wir Geistern eine physische Gestalt geben, machen wir uns von ihnen unabhängig… Ich verstand plötzlich, warum ich Maler geworden war.“ Gasiorowski hat seine ganz ähnliche Überzeugung mit einem Zitat des Augustinus zum Ausdruck gebracht: „Jener, der sich in seiner Leidenschaft verliert, hat weniger verloren als der, der seine Leidenschaft verliert.“

Sein Werk wurde in diesem Sommer in zwei Ausstellungen pünktlich zu seinem zweiten Todestag dokumentiert. Künstlerische…

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