Ausstellungen: Kassel · S. 278
Ausstellungen: Kassel , 1988

Raimund Stecker

ROT GELB BLAU

Die Primärfarben in der Kunst des 20. Jahrhunderts
Museum Fridericianum, 12.6.-18.9.1988;
zuvor im Kunstmuseum/Kunstverein St. Gallen

Nachts sind alle Katzen grau! So lautete, in Worte gefaßt, die Botschaft des ersten Bildes der Ausstellung ROT GELB BLAU im Kasseler Fridericianum. Eine monochromgraue Bildtafel Gerhard Richters hing als Prolog neben dem Eingang, der in die grundfarbenbunte Ausstellung führte. Aber so fehl am Platze auf den ersten Blick das Bild im ersten Moment die Alltagsweisheit mit den Katzen in der Nacht auch scheint, Richters monochromes Bildfeld birgt die Konklusion der ausstellungsthematischen Vorgabe. Denn die Voraussetzung für unser Farbensehen gründet im gesamtspektralen Licht. Eine rote Räche ist nämlich nicht rot, sondern erscheint „nur“ rot. Wir sehen sie rot, weil sie die Rotanteile des Lichtes reflektiert, die anderen Farbbereiche des Lichtes hingegen, die langwelligeren gelben und blauen, absorbiert. Grau also erscheint Richters Gemälde aus dem Jahre 1976, weil es weder Rot noch Gelb oder Blau reflektiert, sondern diese Anteile des Lichtes kaum mehr hergibt. Grau also ist Richters Bild, weil es nur noch wenig Licht reflektiert, und grau sind die Katzen in der Nacht, weil erst gar kein Licht vorhanden ist, das ihnen Farbe geben könnte.

Gewidmet war die Kasseler Ausstellung in der ersten Etage des Documenta-Museums den drei Grundelementen unserer Körperfarben. Aus ihnen, darum heißen sie auch „Primärfarben“, sind alle anderen Farben mischbar: Aus den Primärfarben Rot und Gelb ist die Sekundärfarbe Orange zu mischen, aus Geld und Blau das Grün, aus Blau und Rot das Violett und aus Rot, Gelb und…

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