Marc Wellmann
Abstraktion in der zeitgenössischen Skulptur
Knapp hundert Jahre ist es her, dass die Kunst – zumindest in Teilen – abstrakt geworden ist. Ein Monopol hatte die Abstraktion seitdem nie, aber es gab Zeiten wesentlicher Marktbeherrschung, auf die dann wieder figürliche Gegenbewegungen folgten. Die Oppositionen abstrakt / figurativ und Formalismus / Realismus waren vor allem in der Nachkriegszeit nicht nur künstlerisch, sondern auch ideologisch besetzt. Heute erleben wir eine harmonische Eintracht zwischen verschiedenen Kunstströmungen, die im Zeichen der Globalisierung vor allem um neue Bildwelten aus China, Indien, Russland und Brasilien erweitert wurden. Mit dem Ende der Kunstideologien oder Ismen hat sich insbesondere die figürliche Kunst und Bildhauerei von der Last politischer Konnotationen befreit und frische Impulse empfangen bzw. ausgesandt. Aber auch die abstrakte Skulptur hat sich seitdem gehäutet und konnte durch die Wiederbelebung und Neuberwertung ihres historischen Erbes neue Wege einschlagen.
William Worringers Buch Abstraktion und Einfühlung von 1907 umreißt eine Kulturgeschichte, bei der die zeichenhafte Reduktion archaischer Kunst als bewusst gesetzter Gegenentwurf zu einer bedrängenden, vom Menschen noch unbeherrschten Natur interpretiert wurde. Zentral waren für Worringers Argumentation beispielsweise die ägyptischen Pyramiden mit ihren klaren, anorganischen Formen, gleichsam als Prototyp abstrakter „Archiskulptur“, die dem Chaos der Realität eine geometrische Ordnung entgegensetzten. Abstraktion konnte als Mittel der Angst- oder Krisenbewältigung verstanden werden, was im Vorfeld des Ersten Weltkrieges eine ungeahnte Aktualität besaß. Worringers Buch wurde mehrfach neu aufgelegt und 1911 noch einmal speziell im Hinblick auf die Formenwelt der Gotik überarbeitet. Seine insbesondere in Künstlerkreisen mit Begeisterung aufgenommenen Thesen ebneten – zumindest…
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