Titel: Neue Abstraktion · von Katharina Pilz · S. 122
Titel: Neue Abstraktion , 2010

Katharina Pilz

Abstraktion und Film

Einleitung

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts begeisterte sich die junge Künstlergeneration mehr und mehr für die neuen Medien Film und Radio. Ein wichtiger Beweggrund war, dass die Avantgardekünstler mit der Tatsache konfrontiert wurden, dass die moderne Kunst keine breite Wirkung mehr auf die Massen erzielen konnte. So forderte Guillaume Apollinaire 1913 in seinem Buch „Les peintres cubistes“ die Verwendung neuer Techniken wie Film und Radio in der Kunst, um die Avantgarde aus ihrer Isolation herauszuführen und „die Kunst wieder mit dem Volk zu versöhnen.“1 Walter Ruttmann, einer der Pioniere des abstrakten Films, hatte ähnliche Hoffnungen und schrieb in seinem Aufsatz „Malerei mit Zeit“, 1919/1920: „Die neue Kunst (das bewegte Bild) wendet sich natürlich nicht an das heutige Publikum der Kinotheater. Trotzdem kann auf alle Fälle mit einem erheblich breiteren Publikum gerechnet werden als es die Malerei hat, da die Aktivität dieser Kunst (dadurch, dass sich etwas ereignet) viel größer ist als die der Malerei, bei der ja der Beschauer die schwere Arbeit tun muss, die beabsichtigte Lebendigkeit an dem an sich starren Objekt des Bildes erst zu rekonstruieren.“2 Angeregt durch die neuen Massenmedien entwickelte sich eine lebhafte Film-Avantgardeszene in ganz Europa und es entstand eine Anzahl von Utopien und Manifesten. Die Arbeiten und konkreten Experimente waren aber nur unter größtem Einsatz der Künstler zu verwirklichen – ja sie mussten in vielen Fällen zu Erfindern, gar Patenthaltern werden, da sie auf keine bestehende Technik zurück greifen konnten. Nach der Zäsur durch den 2. Weltkrieg konnten ab den 1960er Jahren…

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