Titel: Neue Abstraktion · von Sven Drühl · S. 178
Titel: Neue Abstraktion , 2010

Frank Nitsche

Seit den 1990er Jahren folgt der Künstler Frank Nitsche mehr oder weniger strikt seiner ganz speziellen Bildauffassung im Kontext der malerischen Abstraktion. Er bleibt seinem Stil treu und hat kaum grundsätzliches verändert, statt dessen variiert und transformiert er Nuancen und Details. So hat er ein Alleinstellungsmerkmal mit hohem Wiedererkennungswert geschaffen. Nitsches Malerei hat im Feld der Abstraktion tatsächlich eine Sonderstellung inne: weder gehört er einer regionalen Schule oder zeitgeistigen Strömung an, noch arbeitet er sich an den historischen Erfindungen der Abstraktionsgeschichte ab. Er untersucht auch nicht die Grundlagen der Malerei oder behauptet ein ideologisches oder anderweitig inhaltlich aufgeladenes Konstrukt im Sinne einer übergestülpten Bildlegitimation. Er steht wie ein künstlerischer Solitär in diesem breitgefächerten Bereich. Bei Nitsches Gemälden handelt es sich um großartig komponierte, mit erstaunlichem farblichen Feingefühl gestaltete freie Abstraktionen, die mal entfernt an zerquetschte Autowracks nach einem Unfall, an anthropomorphe und organische Formen, an technische Konstruktionen und Architekturen, Grafikdesign bzw. Computer Aided Design (CAD) und neuerdings immer mal wieder ganz vage an Portraitbilder erinnern. Aber eben nur erinnern, die Assoziationen sind nie bestimmt, sie legen sich lediglich wie ein Schleier über manche Bilder, denn es gibt tatsächlich keine realen Ausgangspunkte. Die meist großformatigen Gemälde mit ineinander verschlungenen, abgerundeten Formen und Konstruktionslinien entstehen oft über viele Monate hinweg. Manche von ihnen werden zur Seite gestellt und erst nach Jahren weiterbearbeitet bzw. fertig gestellt. Es stehen immer zahlreiche angefangene Leinwände im Atelier, so dass Nitsche einen enormen Fundus an Halbfertigem hat, an dem er je nach aktueller Vorliebe oder Inspiration…

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