Titel: Neue Abstraktion , 2010

Axel Anklam

Wenn zeitgenössische Künstler mit den Mitteln der Abstraktion arbeiten, dann berufen sie sich in den meisten Fällen auf die frühe Moderne. Bei Axel Anklam ist das anders. Seine luziden Skulpturen haben ihren Ursprung in der Antike. Im Prinzip also dort, wo die abendländische Philosophie anfängt und die Wurzeln der westlichen Zivilisation liegen. Auf der Suche nach einer Ordnung im Chaos des Kosmos fanden die Griechen die Musik. Auf einem Monochord, einem Instrument mit nur einer Seite, spielten sie Töne. Die Seite war über einen Steg gespannt, so dass der Ton beim verrücken des Stegs entweder höher oder tiefer klang. Sie verschoben den Steg bis eine Tonfolge beim Anschlagen der Seite harmonisch klang. Die dabei entstehenden Längenverhältnisse zwischen dem Steg und den beiden Bünden, setzten sie als Basis ihrer Tempelbauten ein. Noch heute können wir anhand nur eines Bauteils auf die Größe eines antiken Gebäudes schließen.

Wie die griechischen Baumeister verwendet Anklam die Längenverhältnisse des Monochords. So komponiert er auf drei verschiedenen Instrumenten eine Melodie. Immer wenn sich eine Tonfolge richtig anhört, hält er die Monochord-Maße fest und konstruiert auf ihrer Basis seine anmutigen abstrakten Objekte, die zumeist aus Edelstahl in Verbindung mit Epoxydharz oder Latex gefertigt sind. Dort, wo der Steg die Seite teilt, ist ein Knick in den Stahl-Gerüsten der Skulptur. So umschlingen sich die feinen Stahlträger, driften auseinander und Formen weich wirkende Objekte und Flächen, deren komplexe Geometrie nicht in erster Linie auf Anklams Willen beruht, sondern den Forderungen, die die Harmonien des Monochords an die Formensprache stellt….

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von Hendrik Lakeberg

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