Ausstellungen: Stuttgart , 1985

Johannes Meinhardt

Anmerkungen zur Analogie

Zur Ausstellung »Vom Klang der Bilder«
Die Musik in der Kunst des 20. Jahrhunderts
Staatsgalerie Stuttgart, 6.7. -22.9.1985

Diese Ausstellung, die etwa 550 Exponate in 24 Gruppen verteilt, von denen die Hälfte chronologisch, ein Viertel geographisch, und ein letztes Viertel durch ihr Material definiert sind, versammelt nahezu alles, was zu diesem Thema in irgendeinem Zusammenhang einteilen könnte. Dieselbe umfassende und nahezu kriterienlose Anhäufung zeichnet auch den Katalog aus: auf fast 500 Seiten addiert er zu Abbildungsteil, Einleitung und Anhang 20 Essays von verschiedenen Autoren, die mit einigen Lücken und Überschneidungen die 24 Materialgruppen der Ausstellung behandeln. Was es mit der Analogie von Musik und Malerei dabei auf sich hat, wird nur unvollständig sichtbar; deswegen dieser Versuch, die verstreuten Aspekte dieser Frage zu einer Antwort zu erweitern.

Was die Kunst, und vor allem die Malerei, des 20. Jahrhunderts und die Musik (wobei die Künstler sich fast ausschließlich auf Musik des 18. und 19. Jahrhunderts bezogen) gemeinsam haben, ist vor allem, daß sie nicht, wie es der Synästhetizismus will, ihre Grenzen gegeneinander verwischen und in ein Kontinuum sinnlicher Korrespondenzen übergehen, sondern daß sie ihren eigenen Bereich der Organisation und Formung, ihre zweidimensionale »Räumlichkeit« beziehungsweise ihre Zeitlichkeit befragen, reflektieren und überschreiten; solcherweise aber nicht sich einander nähern, sondern im Gegenteil eine radikale Autonomie, auch gegenüber den anderen Künsten, begründen und realisieren.

Die Musik ist in der Moderne eine autonome, »abstrakte« Kunst, die sich in der Immanenz ihres Materials ausbildet und die, von den nicht sehr bedeutenden Ausnahmen nicht »absoluter« Musik abgesehen, keine repräsentierenden…

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von Johannes Meinhardt

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