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Ausstellungen: Paris · von Annelie Pohlen · S. 242 - 242
Ausstellungen: Paris , 1985

Annelie Pohlen
Anselmo

ARC II, Paris

Wer ihn zum Einzelgänger oder gar Außenseiter der italienischen Kunst der 60er/70er Jahre stilisierte, er gäbe der formalen Erscheinung den Vorgang vor der ideellen Inspiration. Anselmo ist allenfalls der sprödeste, vielleicht auch der analytischere unter den italienischen Concept-Künstlern, die man nach Celant als ‚arte povera‘-Generation begreift. Gleichzeitig zu seinem amerikanischen Künstlerkollegen Lawrence Weiner (der im übrigen mit den nun handschriftlich auf die Wand applizierten Reflexionen zu Kunst, Wahrnehmung, Wirklichkeit und Imagination eine eher dünne Vorstellung gab) zeigte das Pariser ARC – eine der wenigen Stätten internationaler Aktualität in der einstigen Kunstmetropole – einen umfassenden Überblick über das inhaltlich strenge, in der Materialisierung facettenreiche Werk von Anselmo.

»Reale Situationen für Denk- und Handlungsprozesse« charakterisiert Marlis Grüterisch die künstlerische Formwerdung eines um die Selbstvergewisserung in entfremdeter Umwelt ringenden Künstlers. Natur – oder das, was dafür zeichenhaft als Widerschein steht -, die im Stein verfestigte Teilheit des Lebensraumes Erde/Welt, die Kunst als der sublim geglaubte Part menschlicher Zivilisation und natürlich die Begrifflichkeit, mit der wir Ganzheit herzustellen trachten, ohne dies je zu erreichen, sind die im Kunstwerk gesetzten Impulse, an denen sich das Bewußtsein entzündet, um die Teilheit in der Sehnsucht nach Totalität zu überwinden. Symptomatische Werke aus einem künstlerischen Ideenprozeß, der nicht linear, sondern in kreisenden Bewegungen seit den ausgehenden 60er Jahren nach dem Kristallisationspunkt der Wirklichkeits-Selbsterfahrung in einer zersplitterten Welt sucht, fanden sich im großräumigen Ausstellungsraum in ihrer spannungsreichen Polarität von radikaler Kargheit der Konfrontation – etwa der an einen Stein gebundene Salatkopf (o. T., 1964) – und…


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