Ausstellungen: Luzern · von Joerg Bader · S. 384
Ausstellungen: Luzern , 2003

JOERG BADER

Anton Henning

„Ziemlich schöne Malereien“

Kunstmuseum Luzern, 12.5. – 20.7.2003

„Ziemlich schöne Malereien“ steht auf dem Katalogumschlag. „Ziemlich schöne Schweinerei“, sagt die Mutter, wenn sie ins unaufgeräumte Kinderzimmer reinschaut. Kaum wird sie jedoch „Ziemlich schöne Schmierereien“ sagen, wenn sie das Kind beim Fäkalienverstreichen auf der Wand ertappt. In seiner handfesten Art und mit seinen anziehenden Farben könnte der Katalog ein Kinderbuch sein. Doch die abgedruckten Ölbilder von Anton Henning und die Texte von Susanne Neubauer und Jean-Christoph Ammann widersprechen dem ersten Eindruck entschieden. Der Maler wie die Autoren behandeln Erwachsenenstoff: Wie aus Lust Bilder werden, wie Bilder mit Bildern hinterfragt werden, welche Farben in welcher Figuration uns anziehen und abstoßen. Wie unsere Basic-Instincts unsere Hirnzellen auf Trab halten, ohne dass wir aufs Vergnügen, d.h. den schlechten und den guten Geschmack verzichten müssten. Das klingt ziemlich anspruchsvoll und ist es auch. Das macht auch den Anreiz einer jeden neuen Henning-Ausstellung aus.

In Luzern konzentriert sich Henning ausschließlich auf Malerei. Keine begehbaren Intérieurs, keine Fotos und keine Videos. Wandmalerei (weder Ernst Caramelle noch Piet Mondrian) mit draufgehängten ziemlich schönen Malereien in einem einzigen Raum und um diesen herum Räume mit allen möglichen Formaten und Arten von Ölbildern: Abstrakte Ornamente, Pin-Ups, Blumensträuße, Akte (liegend oder kopulierend), Portraits, Stillleben, usw. Diese Aufzählung ist trügerisch, denn zum einen entwickelt Henning eigene Kategorien – einen „Lumpen-Mondrian“ bezeichnet er als „Intérieur“ und eine verschlungene Schlingen-Schlange als Portrait – zum anderen kann bei ihm eine verschlungene Schlingen-Schlange tatsächlich Blumenstillleben heißen, doch wird sie von einer Pornoszene im Mittelgrund überragt, während im…

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