Ausstellungen: Salamanca , 2005

Susanne Boecker

Barrocos – Neobarrocos

»Die Hölle des Schönen«

DA2. Domus Artium 2002, 3.10.2005 – 8.1.2006

In unseren Augen ist der griechische „Laokoon“ ebenso barock wie die Monster im Film „Alien“. Der Karneval von Rio oder die Berliner Love Parade sind die zwei faszinierendsten Manifestationen des Neobarock unserer Zeit. Das Internet ist ein ebenso barocker und überwältigender Raum wie ein Deckengemälde von Tiepolo oder Andrea Pozzo, und Cyborgs werden wohl die letzte große Schöpfung des Neo-Barock werden“, heißt es im Pressetext zur Ausstellung „Barrocos y Neobarrocos“ in Salamanca. Einer Ausstellung, die mit über 60 Werken internationaler Künstler versucht, das Phänomen neobarocker Tendenzen in der zeitgenössischen Kunst einzukreisen.

Schon der Titel der Schau, „Barrocos y Neobarrocos“ verweist auf die Komplexität des Themas und ist eigentlich nicht ins Deutsche zu übersetzen, weil es keinen Plural von „Barock“ gibt. Der Begriff „Neobarock“ wiederum ist im Deutschen ein kunstgeschichtlicher Terminus für eine bestimmte Spielart des eklektizistischen Historismus. Das vermeintliche Äquivalent für die zeitgenössische Kunst lautet „Postmoderne“ – ein Begriff, der in verschiedenen Kontexten sehr Verschiedenes bedeuten kann und in den letzten Jahren zu einem inflationären Schlagwort mutiert ist. In den romanischsprachigen Ländern haben diverse Philosophen seit den 1980er Jahren parallel dazu einen Diskurs des „Barock“ und „Neobarock“ entwickelt, der weit über das Aufgreifen stilistischer Merkmale des historischen Barocks hinausgeht. In Fortführung der grundlegenden Schriften zum Barock – Heinrich Wölfflins „Kunstgeschichtliche Grundbegriffe“ (1915) und Walter Benjamins „Ursprung des deutschen Trauerspiels“ (1928) wird Barock verstanden als geistige und ästhetische Kategorie und sozio-kulturelles Modell, das nicht an eine bestimmte historische Epoche gebunden…

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von Susanne Boecker

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