Magazin: Biennale Paris · S. 296
Magazin: Biennale Paris , 1986

Biennale Paris

Muß eine Rivalin der documenta 87 vorzeitig die Waffen strecken? Akut gefährdet ist die Biennale in Paris. Vor einem Jahr mit großem Aufwand im Norden der französischen Hauptstadt, im Parc de la Vilette eröffnet (‚Kunstforum‘ berichtete darüber), hat sie offenbar die überspannten Erwartungen nicht voll erfüllt. Georges Baudaille, der verdienstvolle Organisator dieser und einer Reihe von früheren, damals nur jungen Künstlern gewidmeten, Pariser Biennalen wurde mit fadenscheinigen Argumenten und auf nicht ganz faire Weise ausgebootet. Als seinen Nachfolger hatte die sozialistische Regierung Jean Hubert Martin, den früheren Direktor der Kunsthalle Bern, ausersehen. Ursprünglich sollte Martin eine Art ‚Weltkunst‘-Ausstellung im Jahr 1987 organisieren, deren Ziel es war, den Ruf von Paris als Zentrum des zeitgenössischen Kunstschaffens in der ganzen Welt neu zu beleben. Auch wenn der Etat des agilen Kultusministers Jack Lang, des populärsten Minister der Sozialisten-Regierung, während seiner Amtszeit laufend erhöht wurde und sich inzwischen auf einen Anteil von knapp 2 % des Staatsbudgets beläuft, zerplatzten derlei hochfliegende Pläne angesichts fehlender Finanzen. Daraufhin wurde Jean Hubert Martin beauftragt, Baudailles Nachfolge bei der Leitung der Neuen Biennale von Paris anzutreten. Dagegen allerdings sträubt sich die Pariser Stadtregierung unter Führung ihres konservativen Bürgermeisters Jacques Chirac. Infolgedessen konnte Martin bisher noch nicht offiziell bestellt werden. Wie auch immer sich das französische Parlament nach dem 16. März zusammensetzen wird, selbst der tüchtigste Organisator wird sich schwer tun, eine der populären Mammut-Schaus binnen eines Jahres zu verwirklichen. Die documenta in Kassel – sie gewinnt ohne Kampf in dieser prestigeträchtigen Auseinandersetzung?

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