Ausstellungen: München , 2011

Jolanda Drexler

Carlo Mollino

»Maniera moderna«

Haus der Kunst, München, 16.9.2011 – 8.1.2012

Dass die künstlerische Bedeutung des grandios dilettierenden Allrounders Carlo Mollino (1905-1973) erst in unserer nach-postmodernen Ära eingehend gewürdigt wird, verwundert kaum. Dennoch ist der bizarre Dandy, der sein ganzes Leben zur Kunst stilisierte, in seiner absurden Betätigungsvielfalt mit all den Brüchen und Überlagerungen auch heute kaum gänzlich zu erfassen und überzeugend einzuordnen. Wie zu erwarten war, überraschte der inzwischen an die Tate Modern gewechselte ehemalige Direktor des Hauses der Kunst Chris Dercon bei seiner Abschiedsvorstellung noch einmal mit seinem stupenden Spürsinn für gleichermaßen Abseitiges wie Fesselndes. Um die Lebensleistung des überaus exzentrischen Turiner Architekten, Möbeldesigners, Fotografen und Verfassers diverser Essays möglichst umfassend auszuleuchten, rief Dercon ein heterogenes Kuratorenteam von Mollino-begeisterten Kennern zusammen, allen voran den Architekten Wilfried Kuehn und den Fotografen Armin Linke.

Carlo Mollino lebte Zeit seines Lebens (1905-1973) im Haus seines Vaters Eugenio, eines angesehenen Architekten, wie er auch nach seinem Studium der Kunstgeschichte und Architektur ab 1931 in dessen Ingenieurbüro arbeitete, wenngleich Eugenio seinen ungewöhnlichen Sohn als lasterhaften Taugenichts abtat, der die Nacht zum Tag machte und abwechselnd in lethargisch-brütende und aufgeregt aktive Phasen verfiel. Nach dem Tod Eugenios steigerte der Sohn seine sportlichen Ambitionen ins Aberwitzige: Er fuhr mit dem eigens dazu entworfenen Rennauto Bisiluru in Le Mans, vollführte waghalsige Kunstflüge und Skiabfahrten, deren Kurvenmuster im Schnee er fasziniert fotografierte, um schließlich daraus das Ski-Lehrbuch „Introduzione al Discesimo“ zu entwickeln. Diese Begeisterung für schöne Kurvenschwünge durchzieht sein gesamtes Schaffen.

Während Mollinos Architektur nur auf mäßige Anerkennung gestoßen ist, wovon…

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von Jolanda Drexler

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