Titel: Müllkunst , 2004

CHRISTOPH BÜCHEL

MÜLL TRIGGERT IDEEN

VON PAOLO BIANCHI

Christoph Büchel (geboren 1966, lebt in Basel) sorgt mit seinen ausufernden Rauminstallationen immer wieder für Furore. Er verpflanzt etwa komplette Wohnungen von fiktiven Zeitgenossen in vorgefundene Ausstellungsräume und lädt die Besucher so zur aktiven Spurensuche ein. Häufig stellt sich der Eindruck ein, dass die früheren Bewohner Gefangene ihrer psychischen Zustände waren. 1998 baute er in Chicago die Arbeit „Home Affairs“: die Wohnung einer Person, die nichts wegwerfen kann. In der Offenbacher Ausstellung „Alles wird gut“ (1999) inszenierte er detailliert die Welt eines Menschen, der alles anfängt und nichts zu Ende bringt und schließlich im Chaos versinkt. In der Installation „Lieber Kurt“ (2000) im Sprengel Museum Hannover bewegten sich die Besucher im Gelände eines Tüftlers, der im Material seiner zahllos begonnenen Projekte zu ersticken droht.

Büchel arbeitet stets mit großer Akribie und immensem Aufwand. Seine Installationen sind angefüllt mit zusammengetragenen Artefakten des Mülls wie Matratzen, Sofas, Schränken, Werkstattutensilien und diversem Schrott, ganze Autowracks und ein Hubschrauber zählten auch schon dazu. Die Besucher sind aufgefordert, alles zu erkunden und sich, wenn nötig, sogar entschlossen durchzuwühlen. Seine ortsbezogenen Arbeiten lösen Kaskaden an noch nie erlebten Assoziationen aus. In diesen Raum und Zeit sprengenden temporären Lebenskunstwerken stehen die authentische Selbsterfahrung und eine realitätsdichte Atmosphäre im Mittelpunkt.

Wer aufgefordert wird, in einen dreckverkrusteten Hühnerstall hineinzukriechen und dann durch den schmutzigen Deckel eines Plumpsklos hindurchzurutschen, erfährt die Kunst nicht kontemplativ, sondern als leibhaftige Mitspielerin. In Büchels Ansammlungen von Abfall, Gerümpel und alltäglichem Mist, öffnet sich den Besuchern ein immenses ästhetisches Erfahrungsfeld, ein Raum…

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