Titel: Müllkunst · von Stephan Adamski · S. 152
Titel: Müllkunst , 2004

RODNEY McMILLIAN

DER RE-ARRANGEUR

VON STEPHAN ADAMSKI

Müll, besonders Sperrmüll ist der Ausgangspunkt der meisten Arbeiten von Rodney McMillian (geboren 1969 in Columbia, South Carolina; lebt in Los Angeles). Bei ausgedehnten Wanderungen durch die sozialen Brennpunkte von Los Angeles sammelt der afroamerikanische Künstler weggeworfene Kleidung, Sperrmüll und Konsumgüter. Sein besonderes Augenmerk gilt dabei Teppichen. Diese montiert er auf Leinwand, um sie malerisch zu bearbeiten. Er ergänzt Fehlstellen oder arbeitet direkt auf dem Teppich. Die Spuren ihrer Benutzung sind klar sichtbar, so etwa die ausgetretenen Pfade durch die Räume, in denen sie einmal lagen, die unverblichenen Stellen auf denen die Möbel standen, so auch die Verschmutzungen. All dies fügt sich an der Wand zu einem Gemälde zusammen, das Landschaften beschreibt, die wir am liebsten nicht bewohnen möchten.

McMillians Arbeiten verweisen auf die Randbereiche der Gesellschaft, sie hinterfragen und illustrieren soziologische und kulturelle Hintergründe sowie deren Institutionen und Ideen. Sichtbar wird dergestalt der Einfluss des Menschen, der durch die Verinnerlichung der Kultur einen Organismus erschafft, den er beeinflusst und verändert. Seine Arbeiten untersuchen die Möglichkeiten und Fehler des American Way of Life.

EITEL UND WERTLOS

In der Ausstellung von McMillian in meiner Aachener Galerie (2002/03) wurde eine sehr komplexe Installation gezeigt, bestehend aus dem großen Gemälde „Untitled (Flag)“, dem kleinen Stillleben auf Holz betitelt „Bald Eagle“ und einer unbetitelten Skulptur. Das Stilleben zeigt einen kleinen am Straßenrand gefunden Vogel, der als Vorlage dient für ein Stillleben im Stil der holländischen Vanitas-Malerei. Der Titel „Bald Eagle“ verweist auf das US-amerikanische Wappentier, den Weißkopfadler. Im Propyläen der Kunstgeschichte heißt es:…

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