Titel: Müllkunst · von Anja Dorn · S. 104
Titel: Müllkunst , 2004

KARIN HOCHSTATTER

FRISCHHALTEFOLIE

VON ANJA DORN

Die Party ist vorbei. Im von Licht durchfluteten Festsaal der großen bürgerlichen Villa wurde die Ordnung noch nicht wieder hergestellt. Die 1998 entstandene Installation „Salonstücke 7“ in der Villa Zanders in Bergisch Gladbach von Karin Hochstatter (geboren 1960 in Köln, wo sie auch lebt) vermittelt unmittelbar den Gedanken an Girlanden und verwaiste Möbel eines Sommerfests. Bunte Plastikbänder hängen schlaff über einem umgekehrten Kinderplanschbecken, eine zerschnittene Luftmatratze liegt wie eine Krake auf einem Müllsack, nur das Kopfkissen versucht sich – aufgeblasen – als Form zu behaupten. An anderen Stellen breitet sich der Plastiklametta über zusammengefallenen Gartenstühle und Gebilden aus, deren Inhalt ungewiss ist. Durch Überlappung und Schichtung gewinnen die Folien Dreidimensionalität. Das Gefühl von Substanz vermitteln sie allerdings nicht. Während sich der Blick der Betrachter in den Reflektionen und Faltenwürfen der Oberflächen verfängt, wird die Sicht auf den Inhalt verhüllt. Von den Bedeutungen oder Informationen, die den Gegenständen in der Vergangenheit eingeschrieben waren, erkennt man nur noch die Reste. Es ist ein Bild des Strukturverlustes.

In Karin Hochstatters jüngeren Fotoserien verfolgt sie die Auflösung der räumlichen Ordnung weiter. So legt sie etwa in „The drawing room p.“ (2000) ein Netz aus bunten Plastikstreifen über die Fotografie eines überdekorierten, barocken Raums. In Hochstatters Bearbeitung wird die Raumperspektive mit der flächigen Struktur des Netzes so verwoben, dass das Auge den Halt verliert. Die abgebildeten Plastikschlingen erinnern entfernt an Dürers Bandstudien oder an gotische Holzskulptur. Im Gegensatz dazu führt die Auflösung von Form bei Hochstatter nicht in die Abstraktion, als Bild einer…

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