Titel: Müllkunst , 2004

COSTA VECE

ZWISCHEN UN- UND MEHRWERT

VON CLAUDIA SPINELLI

Ein Stapel gebrauchter T-Shirts, eine Army-Hose und ein silbergraues Telefon, zwei Barbiepuppen, noch in der Verpackung, ein paar Magazine und Pornohefte neben einem Buch von Jean Baudrillard, Musikkassetten, Videokassetten und Audio-CDs: Die Auslage, die Costa Vece (geboren 1969) am Stand seines italienischen Galeristen an der Kunstmesse Arco 2002 in Madrid ausbreitete, ist Selbstporträt und künstlerisches Statement in einem. Aschenbecher, Leimpistolen und ein rot gepolstertes Herz, mit einem rührseligen „Vergiss mich nicht“ bedruckt – mit gleichmacherischer Geste wurden die Gegenstände auf einer Flagge des Mineralölkonzerns AVIA arrangiert. Rotweißes Textil, wegen der leicht glänzenden Textur mit einem Hauch von trashigem Glamour behaftet – wie es sich für einen Künstler gehört, der in einer übersatten Welt groß geworden ist. In einer Welt, die nicht nur bei ihm ambivalente Gefühle auslöst.

URBANER KULTURTRASH

Costa Vece zeigt Erinnerungsstücke und Objekte des täglichen Gebrauchs, wie sie viele Leute seines Alters bei sich zu Hause herumliegen haben. Die Auslage erzählt von einer Lebenshaltung, die sich kein bisschen um herkömmliche Unterscheidungen zwischen Alltag und intellektueller Auseinandersetzung schert. Die persönlichen Fotografien, die Postkarten und T-Shirts mit dem (c), das Costa als Markenzeichen benutzt, nehmen sich wie Signaturen aus. Costa was here. Costa sieht gut aus, er lebt in Zürich und hört Musik. Er sieht sich Filme an, er blättert in Pornoheften, hin und wieder liest er auch ein seriöses Buch. Er hat eine romantische Ader und für „Puppen“ interessiert er sich nur mäßig. Er raucht und manchmal arbeitet er mit der Leimpistole. Die Objekte, die…

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