Ausstellungen: Linz · von Kathrin Luz · S. 384
Ausstellungen: Linz , 2004

KATHRIN LUZ

Darren Almond, Live Sentence

Lentos Kunstmuseum Linz, 14.5. – 27.9.2004

Willkommen in der Zeitmaschine – oder besser Zeittötungsmaschine! Die Installation von Darren Almond im Linzer Lentos Museum begrüßt den Besucher mit einer düster inszenierten, megalomanisch vergrößerten Digitaluhr von enormer skulpturaler Präsenz. Durch ein pneumatisches System, durch das Atmen der Elektronik wird ein Umlegen der riesigen Ziffernpartikel ermöglicht. So wird aus der 0 mit einem Schlag eine I und bald eine 2. Allein der Titel enthält ein raffiniertes Wortspiel: „Life Sentence“ bedeutet lebenslängliche Strafe, während „Live“ gleichzeitig Echtzeit bzw. physische Anwesenheit bezeichnet. Und um das Aufeinanderprallen von Echtzeit und Lebenszeit geht es in der Arbeit.

Die Zeit im XXL-Format und das Leben daneben in größter Kleinheit und Bedürftigkeit, unmittelbar medial eingespielt aus einer Gefängniszelle: Die folgenden Videobilder spiegeln Sequenzen aus der benachbarten Linzer Justizanstalt wider, teilweise sogar in einer Live-Schaltung. Da wird Zeit totgemacht, in dem sie von fremden, staatlichen Mächten beherrscht wird. Und da wird die übliche Kontrollfunktion des Kamerablicks in ästhetische Bilder überführt und für die museale Doppelverwertung fruchtbar gemacht. Vom frühen Aufstehen über das normierte Arbeiten bis hin zum komplett durchritualisierten Tag – Freiheitsverlust ist vor allem der Verlust der Verfügungsgewalt über die eigene Zeit. „Das Gefängnis muss ein erschöpfender Disziplinarapparat sein. Einmal muss es sämtliche Aspekte des Individuums erfassen: seine physische Dressur, seine Arbeitseignung, sein alltägliches Verhalten, seine moralische Einstellung, seine Anlagen. Vielmehr als die Schule, die Werkstatt und die Armee, die immer eine bestimmte Spezialisierung aufweisen, ist das Gefängnis eine „Gesamtdisziplin“, so schreibt Michel Foucault in „Überwachen und…

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