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Ausstellungen: Villingen-Schwenningen · von Matthias Reichelt · S. 412 - 414
Ausstellungen: Villingen-Schwenningen , 2005

Matthias Reichelt
Das Torpedieren der Systeme

»Manfred Erjautz‘ Kunstprojekte aus den letzten zehn Jahren«
Städtische Galerie Villingen-Schwenningen „Lovis-Kabinett“, 5.6. – 14.8.2005

Ein weißes Transparent, befestigt an Latten, getragen von zwei Personen. Das Transparent ist weiß, zeigt keinerlei Schriftzug und befindet sich direkt auf Kopfhöhe der fünf dahinter stehenden Demonstranten. Kopflos wirken sie und sie scheinen auch nichts zu proklamieren oder keine Forderung an die Öffentlichkeit richten zu wollen. Die Idee dieser irritierenden Aktion stammt von Manfred Erjautz und hat nur wenige Tage nach dem Machtantritt der ÖVP-/FPÖ-Regierung auf dem zwischen Präsidentschaftskanzlei und Bundeskanzleramt gelegenen Ballhausplatz in Wien stattgefunden. Die Arbeit trägt den Titel „Point of Few“, Punkt Weniger und verweist phonetisch auf Point of View, gleichbedeutend mit Meinung, Ansicht, Standpunkt. Der Betrachter wird verunsichert, ob diese Aktion auf die Vergeblichkeit von politischen Protestformen verweist oder die Beliebigkeit der politischen Textur im Auge hat. Allerdings macht das mit der Inthronisierung der FPÖ und ihres damaligen faschistoiden Populisten Jörg Haider verbundene Datum stutzig. Ruft man sich die international geführte Debatte um Haider und die FPÖ und die damit verbundenen Proteste und Demonstrationen, Einlassungen von Intellektuellen in Erinnerung, in der alles Notwendige lautstark und unüberhörbar verkündet wurde, dann wird deutlich, dass das leere Transparent eine enorm provokative Kraft entfaltet, da es aufgrund seiner verschiedenen Konnotationen irritiert und eine schnelle Lagerzuordnung unmöglich macht. Die „Kopflosigkeit“ bzw. Inhaltsleere dieser Aktion korrespondiert mit einer anderen durch Fotografie dokumentierten Performance des in Wien lebenden und 1966 in Graz geborenen Künstlers, die er 2001 im Kennedy Center in Washington D.C….



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von Matthias Reichelt

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