Basel
Delphine Reist
ÖL [oil, olio, huile]
Museum Tinguely 18.10.2023 – 14.01.2024
von Hans-Dieter Fronz
Es war wohl nur eine Frage der Zeit, dass Delphine Reist einmal im Tinguely Museum in Basel ausgestellt werden würde; verwunderlich, dass es nicht schon früher geschah. Immerhin geht die in Sion geborene Walliserin, die heute in Genf lebt, arbeitet und an der Hochschule für Kunst und Design lehrt, auf Mitte fünfzig zu und wurde bereits vor 15 Jahren – 2008, bei den renommierten Swiss Art Awards – mit dem Prix Meret Oppenheim ausgezeichnet.
Man könnte von einer Wahlverwandtschaft der Künstlerin mit Jean Tinguely sprechen, der in seinen herrlich schrägen, komplex ertüftelten Konstruktionen dem Effizienz- und Machbarkeitswahn seiner Zeit und ihrer oft sinn freien Produktivität ironisch den Spiegel vor hielt. In verwandtem Geist durchleuchtet Delphine Reist die Arbeits welt der Gegenwart, die im Sinne kapitalistischer Gewinnmaximierung noch das letzte aus den Produktiv kräften, zu denen auch der arbeitende Mensch gehört, heraus holen will. Mitarbeiter denken positiv – das erbärmliche Arbeitsethos in Neonleucht schrift, Teil von Delphine Reists hintersinniger Installation Étagères von 2007, hübscht, was Or der und Zwang ist, zur Situationsbeschreibung auf.
Mit der inhaltlich-thematischen Verwandtschaft von Reists und Tinguelys Werk korres pondiert die der Mittel. War Tingu ely in den 1950-er-Jahren doch einer der Pioniere der kinetischen Kunst. Delphine Reist führt diese Tradition in zahlreichen Werken fort. Bei bei den Künstlern spielt der Motor – sei’s als elektrischer, sei’s als Verbrennungsmotor – eine zentrale Rolle. Natürlich nutzt Delphine Reist dabei heute gängige Möglichkeiten wie Schaltuhren und elektronische Steuerung. So…