Ausstellungen: Berlin · von Matthias Reichelt · S. 323
Ausstellungen: Berlin , 2013

Matthias Reichelt

Denn alles, was den Gesetzen des Verstandes und der Vernunft widerstreitet, ist freilich unmöglich.

»Wahrheit, Fiktion und Verschwörung als künstlerische Versuchsanordnung«

MEINBLAU e. V., Berlin, 21.9. – 13.10.2013

Die älteste Kunstinstitution auf dem Gelände des Pfefferbergs, einer alten Brauerei im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg, ist der MEINBLAU e.V., der in Haus 5 residiert. Gegründet und betrieben wird er von Künstlern, die dort ihre Ateliers unterhalten und sich mit dem selbst ausgebauten, kapellenartigen Raum nebst Empore einen kleinen aber imposanten Ausstellungsraum leisten, für den sie Künstler und Ausstellungsmacher mit interessanten Konzepten einladen. In Hochzeiten egomanischen Selbstmarketings eine eher seltene Demonstration kollektiver Offenheit und Neugier.

Kürzlich war im MEINBLAU e.V. die gleichwohl minimalistische wie ästhetisch klug konzipierte Ausstellung von Julia Schmid und Chris Bierl zu sehen. Schon der Titel widersprach der wohlfeilen Tendenz catchy und sexy zu sein. Mit Denn alles, was den Gesetzen des Verstandes und der Vernunft widerstreitet, ist freilich unmöglich – einem Zitat aus Immanuel Kants Dissertation – untersuchen Schmid und Bierl sowie sechs weitere Künstlerinnen und Künstler den komplexen Bereich zwischen Wissen, Empirie und Intuition. Angesichts der inflationären und pejorativen Verwendung des Begriffs „Verschwörungstheorie“ im Bereich Politik und Geschichtsschreibung, vor allem im Kontext des Attentats auf Kennedy, 9/11 oder auch der NSU, ist das Thema hochaktuell. Was ist wahr, was ist Wirklichkeit und wie wird sie konstruiert? Oder glauben wir an eine Wirklichkeit, die so gar nicht existiert, nur weil wir bestimmte Paradigmen für unumstößlich halten? Wurde die Welt nicht in vielen Kulturen als Scheibe gedacht und stießen nicht die Erkenntnisse…

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