Kommentar , 1992

Wolfgang Pauser

Der Krieg der Bilder

Der Beginn des Golfkrieges fiel zufällig auf ein Datum, an dem Präsident Bush schon seit langem einen kurzen Urlaub geplant hatte. Bush entschloß sich, trotz Kriegsbeginn, und obwohl er immerhin Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte war, sich von seiner Ferienreise nicht abhalten zu lassen und verließ Washington. Diese Verhaltensweise trug ihm von seiten der Medien viel Kritik ein. Ein oberster Feldherr hätte doch in einer solchen außergewöhnlichen und gefährlichen Situation an seinem Schreibtisch zu verharren, hieß es. Man könne doch nicht die Soldaten in den Krieg schicken und selber ins verlängerte Wochenende fliegen. Bush aber flog, dessen ungeachtet, auf seinen Landsitz, um sich dort seinem Lieblingssport, dem Golfspiel, zu widmen. Auf dem Golfplatz, in kurzen Hosen und den Golfschläger in der Hand, gab er eine Pressekonferenz. Er sagte nicht viel Neues, aber das Ergebnis dieser Aktion war ein Bild, das um die Welt ging: Bush spielt Golf. Was könnten die Gründe gewesen sein, nicht in Washington auszuharren? War es Vergnügungssucht, die da von Argumenten einer traditionellen Arbeitsmoral zurückzupfeifen versucht wurde? War es eine Geste der Souveränität, an den Gegner adressiert, etwa, um diesem zu zeigen, daß man seine Stärke für so gering halte und so wenig fürchte, daß man es nicht einmal für nötig befinde, wachsam und auf dem Posten zu bleiben? War es ein Bluff? Oder aber ist Präsident Bush nur deshalb nach Florida geflogen, um dieses Golfspiel-Bild zu erzeugen? War seine Entscheidung von der Intention einer Symbolisierung, einer Darstellung, gar der Erzeugung eines Kunstwerks getragen?

„Im…

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