Titel: Weltkunst - Globalkultur · von Carin Kuoni · S. 217
Titel: Weltkunst - Globalkultur , 1992

Carin Kuoni

Nüchternheit und Idealismus: Exit Art pflastert sich den Weg zum Erfolg

Exit Art, New York City

Der Name ‚Exit Art‘ bejubelt den Abgang herkömmlicher Kunstkategorien“, erklärte Papo Colo, der Direktor des alternativen Ausstellungsortes in Manhattan. Am Ausgang dieser herkömmlichen Kunstwelt, zu Füssen der beiden Gründer von Exit Art, Jeanette Ingberman (geb. 1950) und Papo Colo (geb. 1948), öffnet sich ein weites Feld von unbekannten Kunstpraktiken, von dem sie sich gern ein Sträusschen pflücken. Exit Art wird beflügelt von der Überzeugung, dass ein multikulturelles Amerika (12 Prozent der Bevölkerung sind Afro-Amerikaner, 20 Prozent sind lateinamerikanischer, 11 Prozent asiatischer Abstammung) nicht länger nur von der Kunst einer weissen, anglo-amerikanischen, meist männlichen Künstlerschicht leben kann. Seit 1982 suchen Ingberman und Colo konsequent nach Kunstformen verschiedener ethnischer Gruppen und vermitteln durch ihre Ausstellungen zwischen diesen unterschiedlichen Sphären.

Im Zentrum statt an der Peripherie

Ihren Aussichtsturm haben Colo und Ingberman freilich fest in der etablierten Kunstwelt, im Herzen von SoHo, aufgebaut. Die prachtvolle Loft liegt komfortabel zwischen Leo Castelli, John Gibson, Crown Point Press und anderen Mietern in einem stattlichen Haus am Broadway eingebettet. Exit Art spiegelt denn die Schwierigkeiten und Widersprüche, die die Debatte um Multikulturalität prägen: Während andere Kunstmissionare in die Slums zogen (vgl. KUNSTFORUM, Bd. 112, OUTSIDE USA I, S. 314 ff.) und dort – von den Massenmedien und dem Kunstmarkt abgeschnitten – unerkannt arbeiten, blieb Exit Art sehr bewusst am Quell, woraus Geld, Macht und Einflussnahme sprudeln. Die Kommunikation zwischen den verschiedenen Kulturgruppen ist also einseitig. „Wir dehnen unsere Aktivitäten nicht in andere Stadtquartiere…

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