Titel: Weltkunst - Globalkultur · von Papo Colo · S. 224
Titel: Weltkunst - Globalkultur , 1992

Papo Colo

Evidenzen: Vom postkolonialen zum hybriden Zustand

Für Null-Identität – Wider Ethno-Zentrizität

Die Kunst des postkolonialen Geistes muß ein Paradox sein – zwischen dem Scharfsinn ihrer Meister und dem Synkretismus ihrer Ursprünge.

Die Schlacht erfolgt zwischen dem Intellektuellen und seinen Ursprüngen, wie sie sich wechselseitig absorbieren sehen. Die Stereotypie des Spiegels reicht nicht aus, da die Reflexion dreidimensional ist. Man geht nicht dorthin, woher man kommt.

Das Bild – ein auf einem Meer komplexer Ideen dahintreibender Schiffbrüchiger. Befreiung ist auch die Wiederinbesitznahme neuer Identitätsschiffe. Eingetaucht in diese Wasser, hält das Individuum an Rückständen fest. In dieser Rekonstruktion hat man noch einmal soviel oder gar mehr zu leben. Das Begehren hat parallel zum Willen zu halten, denn jemandes Macht besteht darin, eine neue Umgebung zu schaffen, in der Ursprünge Bestandteile von Wissen und Talent sind. Lebenslauf, Sprache und Geschichte sind Bausteine in einer anderen Form. Gebildet, um günstige Gelegenheiten und Auflösungen zu vergessen und zu erinnern, ist die eigene Anschauung keine Negation der eigenen Ursprünge, sondern eine Neubejahung des Wandels.

Ursprünge sind das Wohl und Übel unserer Handlungen. Die Kontrolle über diese Emotionen macht die Freiheit des postkolonialen Geistes aus.

Die Idee des Kolonialismus geht über räumliche Begrenzungen weit hinaus. Er ist ein mentaler Zustand aufgezwungener Partnerschaft, in der der Kolonisierte und der Kolonisierende sich innerhalb einer von beiden geschaffenen Kultur bewegen. Unzertrennlich treten der Beleidigte und der Beleidigende in engste Beziehung.

Es gibt im Verhältnis Englands und der Vereinigten Staaten, Spaniens und Südmaerikas intellektuellen und metaphysischen Kolonialismus, weil wir eine Verlängerung ihrer Sprachen und ihrer Gewohnheiten…

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