Titel: Weltkunst - Globalkultur · von Serge Kliaving · S. 244
Titel: Weltkunst - Globalkultur , 1992

Serge Kliaving

Die neue (Kultur-)Ordnung

»Heutzutage werden die Friedenspfeifen kommerziell gemacht, mit Maschinen und elektrischer Bohrung. Die Herstellung ist einfach, zu einfach. Diese Pfeifen haben keine Macht mehr.«

Tahca Ushte, Hellseher und Medizinmann aus
dem Stamm der Sioux.

Was vermag die dritte Welt uns noch zu geben, was wir nicht bereits genommen, ausgewertet und verändert hätten?

Wenn man lange genug sucht, und damit meine ich geduldiges Herumwühlen in dem Müll, mit dem der Westen Afrika, Indien und Asien großzügig überschwemmt, wird man sicher ganz zuunterst im Abfalleimer einen Rest verfälschten und stinkenden Exotismus finden, der den Touristen erfreut und den Ethnologen verzweifeln läßt. Aber wozu das alles?

Denn unsere schöne westliche Zivilisation, die die Welt zu verbessern vorgibt, hat Angst vor ihr. Sie spürt die Gefahr, die in der Begegnung mit der Fremde liegt. Denn die Existenz des Anderen anzuerkennen, bedeutet unausweichlich, Fragen zu stellen, zu relativieren, kurz gesagt, seine eigene Philosophie radikal zu überdenken. Das heißt, die sogenannte „offizielle“ Kultur zu gefährden. Die geringste Schwäche eines der Kontrahenten zieht ihren Zerfall nach sich, wenn das soziale Gefüge in der Praxis – und das ist ganz sicher der Fall – durch Begriffe wie Konflikt und Eroberung definiert wird.

Ordnung und Norm, die grundlegenden und für ihren Fortbestand unverzichtbaren Prinzipien der „zivilisierten“ Gesellschaft, verlangen die Ablehnung und Eliminierung aller von Randgesellschaften übernommenen Wesensmerkmale, unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt, und die politische, wirtschaftliche und kulturelle Distanzierung von diesen Gesellschaften.

Die keimfreien Wunderwerke, an denen wir uns erfreuen, riechen nach Tod. Dem Tod der anderen und irgendwann auch unseres eigenen. Das zerstörerische…

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