Titel: Wirtschaft und Kunst · von Gerald Nestler · S. 42
Titel: Wirtschaft und Kunst , 2010

Julian Stallabrass

Die Freiheit der Kunst ist stark unter Druck.

Ein Gespräch von Dieter Buchhart und Gerald Nestler

Julian Stallabrass ist Kunsttheoretiker und hat schon früh den Einfluss der Ökonomie auf den Kunstmarkt hinterfragt. 1999 eröffnete er mit seiner Kritik an der YBA (Young British Art) eine Kontroverse, die bis heute andauert („High Art Lite“). Das Internet und sein Potential für Kunst und Aktivismus würdigte er in „Internet Art: The Online Clash of Culture and Commerce“ (2000). Sein besonderes Augenmerk gehört politischen Aspekten der medialen zeitgenössischen Kultur und Kunst.

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Dieter Buchhart/Gerald Nestler: In ihrem Buch „Art Incorporated“ zitieren Sie Adorno: „Denn die absolute Freiheit in der Kunst, stets noch einem Partikularen, gerät in Widerspruch zum perennierenden Stande von Unfreiheit im Ganzen“ (Ästhetische Theorie, 1970). Wofür steht der Begriff einer „freien Kunst“ in einer komplexen, von „freiem Handel“ geprägten Gesellschaft? Worin ist ihr aktuelles Potential oder plädieren Sie eher für einen Wandel?

Julian Stallabrass: Das Buch argumentiert, dass wir einen konzeptionellen Wandel benötigen, da die Vorstellung einer freien Kunst tief in der Kunstwelt und ihrem Verhältnis zu anderen Elementen der Gesellschaft verankert ist. Die Freiheit der Kunst ist ein ungeprüftes Ideal, jedenfalls im Sinne eines Containers für unsere freie Subjektivität und menschliche Instanz sowohl als KünstlerInnen als auch als BetrachterInnen. Dieses Konzept ist stark unter Druck, insbesondere da Museen als Orte immer mehr ökonomisiert und vermarktet werden. Außerdem wurde die Kunst in den letzten Jahren zu einem außerordentlich erfogreichen Geschäftszweig. Viele Leute engagieren sich heute aus rein instrumentellen Gründen, wie etwa als Anlagestrategie. Auch der…

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