Titel: Wirtschaft und Kunst , 2010

UBERMORGEN.COM

Systeme sind hochgradig korrupt.

Ein Gespräch von Dieter Buchhart und Gerald Nestler

Hinter UBERMORGEN.COM verbergen sich Hans Bernhard und lizvlx. Ohne politische oder ideologische Absichten experimentieren sie im Raum des Legalen, Ökonomischen, Sozialen und Technologischen. Digitaler Aktivismus, Sampling, Text- und Programmcode-Rekombinationen, Textmodifikationen (die auch die AutorInnen inkludieren), Kontrollverlust und mehr sind ihre bevorzugten Methoden der Kunstproduktion. Der Beweggrund für ihre vielfältige und ausgesprochen offensive Praxis ist ihrer Aussage nach: Neugier und die Befriedigung des eigenen Bedarfs.

Dieter Buchhart/Gerald Nestler: Eure Arbeiten hinterfragen, manipulieren und definieren Bedeutungen, die, so scheint uns, mehr über Sprache (inkl. Code) als über Bilder vermittelt werden. Dies legt auch die immer wieder auftauchende (Selbst)Beschreibung „kontroversiell und ikonoklastisch“ nahe. Seid ihr dem Bildlichen gegenüber skeptisch bzw. welchen Stellenwert haben Sprache/Text im Verhältnis zum Visuellen in eurer Arbeit?

UBERMORGEN.COM: Wir definieren uns als digitale Aktionisten in der Tradition des Wiener Aktionismus – eben explizit nicht als Aktivisten. Wir sind frei von politischem Ziel und politischer Ideologie. Auch wenn viele unserer Projekte mit starken Inhalten arbeiten, ist der Grund der Forschung und Auseinandersetzung ein emotionaler, oft aus persönlichem Anlass und Erfahrung. Das Ergebnis soll aber frei von unseren Meinungen sein, Raum für Interpretation offenlassen und dafür bieten sich oft Bilder an, Bilder die im Verhältnis zu den teils übersimplifizierten und poppigen Texten sehr kryptisch oder symbolhaft sind.

Das Künstlerkollektiv etoy.CORPORATION, das Hans mitgegründet hat, trug die Ökonomie bereits im Namen. UBERMORGEN.COM verweist auf sie und gleichzeitig auf den globalen, virtuellen Raum. Ist der (virtuelle) Raum zwischen Realität und Utopie euer Geschäftsmodell bzw. welche…

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