Titel: Wirtschaft und Kunst · von F.E. Rakuschan · S. 92
Titel: Wirtschaft und Kunst , 2010

F.E. Rakuschan

Jeder Markt braucht Spekulanten

Genauso wie jede Krisenzeit ihre Rührgeschichten braucht. In der Regel beginnen sie mit dem Wort früher. Etwa wenn erzählt wird, dass sich früher die heute legendären Sammler ihre Kunstwerke nicht selten per Ratenzahlung gesichert haben. Ihre Leidenschaft für das Sammeln müsse als eine Art amour passion verstanden werden, was aktuell ehest noch in popkulturellen Dramen vorkommt. Denn in der Genese der modernen Semantik von Liebe kam es schon sehr viel früher, nämlich in der französischen Klassik, zur Kollision von plaisir einerseits und amour andererseits. Diese Differenz war zwar Voraussetzung dafür, um den Aufbau eines semantischen Codes für amour passion erst zu strukturieren, in der Sozialität kam es damit aber auch zum Anstoß des Problems der Täuschung.

So wie „die Umpolung des modernen Denkens von vorgefundenen Wesensunterschieden auf Differenzierung eine semantische Innovation gewesen ist, die um die Mitte des 19. Jahrhunderts an Resonanz gewinnt“ (Luhmann 1997, 1145), werden dem Vergleichbares die computergestützten Formen des Beobachtens und Beschreibens in der „next society“ (Drucker 2001) leisten. Ihre „Kulturform“ (Luhmann 1997, 405 ff.; Baecker 2007, 10 ff.), die den selektiven Umgang von Überschusssinn in der nächsten Weltgesellschaft reguliert, wird aber noch viele Jahrzehnte an Findungsprozessen benötigen.

Lehren vor der Krise

Selbst wenn wir uns thematisch nur auf das soziale Funktionssystem Kunst beschränken wollten, kämen wir um die prinzipiell unfassbare Komplexität von Gesellschaft nicht herum. Bei einer adäquaten Beschreibung sozialer Phänomene dürfen wir weder kontextuell unterschiedlichen Ereignissen einen kausalen Zusammenhang unterstellen, noch aus Details auf Globalaussagen schließen. Der Ansatz ist keineswegs neu. Schon 1971…

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