Report · von Heinz-Norbert Jocks · S. 340
Report , 2017

Report

Die Liquidierung der Antike als Affront gegen das Zeitgenössische
oder Warum die DESTE-Foundation für einen anderen Diskurs eintritt

Ein Vesuch von Heinz-Norbert Jocks

Jedes Jahr zur Sommerzeit lädt Dakis Joannou, einer der sowohl bedeutendsten als auch einflussreichsten Sammler zeitgenössischer Kunst, nach Athen ein. Das dreitägige Fest seiner dort ansässigen DESTE-Foundation, ganz und gar der Kunst huldigend, ist seit jeher als gemeinsame Reise von Athen nach Hydra angelegt.

Anders als in den vergangenen Jahren lag diesmal allem, was dort zu sehen und zu hören war, eine tiefere Intention zugrunde. Es ging nicht nur darum, Künstler aus dem In- und Ausland zu Ausstellungen nach Griechenland einzuladen. Das erklärte Ziel war, den seit Jahren geführten Diskurs zur Frage „What is contemporary“ zu erweitern, um den so einseitig verwendeten, geradezu fetischisierten Begriff des Zeitgenössischen aus seiner fatalen Verengung herauszuführen. Dies leuchtet insofern ein, als die nicht abreißenden Diskussionen rund um das Gebot des „Zeitgenössischen“ eng mit den die Welt monotonisierenden Globalisierungsprozessen zusammenhängen. Diese stellen den Begriff einer einheitlichen Zeitgenossenschaft massiv in Frage, denn: „Die ‚zeitgenössische Kunst‘ ist ein kollektives Bild der Postmoderne. (…) Der sprachlichen Logik nach erhebt diese Wortverbindung den Anspruch, eine – mehr oder weniger – globale zeitgenössische Gemeinschaft umzufassen. In Wirklichkeit agiert sie als ein Wertbegriff mit Zulassungsfunktion: Er bestimmt, was Kunst ist und was nicht. Den Kunstwerken von Zeitgenossen, welche in das etablierte Konzept der ‚zeitgenössischen Kunst‘ nicht passen, wird aufgrund dieser Differenz die künstlerische Qualität abgesprochen.“1 So brachte es vor zwei Jahren die deutsche Historikerin und Kunstwissenschaftlerin Ljudmila Belkin auf den Punkt….


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