Monografie , 2017

Ulrike Nattermüller

Malerei, die Königsdisziplin der schönen Künste, in permanenter Bewegung

von Annelie Pohlen

„Zwei Frauen auf der Straße im Gespräch. Die Ältere schiebt den Kinderwagen, die Jüngere sagt: Ich sitze immer nur rum, auf jedem Bild. Ich weiß gar nicht, ob ich jemals gekrabbelt bin, ich kann mir das gar nicht vorstellen.“ Zu lesen im Zentrum von „Zwei Frauen“, eines Bildes von Ulrike Nattermüller aus dem Jahre 1994. Was ist es, was an dem Werk herausfordert? Auf was sollte man sich konzentrieren? Auf die im Kreis von innen nach außen verlaufende Erzählung, deren Dechiffrierung dem Betrachter eben jene Bewegung abverlangt, die der Protagonistin mit Blick auf ihre Existenz im Bild – aus der Kindheit – nicht geläufig ist. Oder die offensive Platzierung einer letztlich in sich ruhenden Scheibe in einer Flächenkomposition, deren malerische Setzungen in alle Richtungen ausstrahlen?

Muss man Texten in Nattermüllers leidenschaftlichem Ringen um die Malerei, die Königsdisziplin der schönen Künste, überhaupt mehr Bedeutung zubilligen als der von formalen Kontrapunkten? Warum aber hätte die Künstlerin diesen dann in „Prospekt“, einer 2000 herausgegebenen Publikation, unterhalb des abgebildeten Werkes in lesbares Format bringen sollen?1 Ist es ein Verweis auf die Künstlerin, zu deren unverzichtbaren Leitlinien es seit den frühen 80er Jahren zählt, von eingeschlagenen Pfaden abzuweichen, vermeintlich verbrauchte Vorgehensweisen und Bausteine nicht zu entsorgen, sondern in immer neuen Verkettungen und Turbulenzen auszutesten? Um dem Kunst wie Gesellschaft latent immanenten Stillstand durch eine Malerei im Zustand permanenter Bewegung zu trotzen?

„Die wunderbare Verbindung“ ist Titel einer Zeichnung und einer Ausstellung im Museum…

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