Titel: Kunst und Geld · von Jürgen Raap · S. 66
Titel: Kunst und Geld , 2000

JÜRGEN RAAP

Die transzendentale Bedeutung des Geldes

Die Kirche des Mittelalters sah die Geldwirtschaft als sündig an. Die spätere calvinistisch geprägte Auffassung, Geldscheffeln sei gottgefällig, lieferte die ideologische Grundlage des Kapitalismus. In manchen künstlerischen Geldutopien wird der Gegensatz zwischen der wertschöpfenden Arbeit des Rendite-Kapitals und der menschlichen Arbeit(skraft) modifiziert – an die Stelle physischen Energieaufwandes treten Begriffe wie „geistiges Kapital“ oder „kreatives Kapital“. Die Beuys’sche Gleichung „Kunst = Kapital“ setzt dem gängigen Prinzip „Geld als Ware“ die Forderung nach einem „Umdenken des Wirtschaftskreislaufs“ entgegen.

I.

Das Geld hat sich „zur geistig-ästhetischen Überwindung seiner Profanität“ immer schon „gerne der Kunst bedient“, stellt der Hamburger Betriebswirtschaftler Peter Bendixen fest.1 Da Geld bekanntlich auch „eine Metapher für Macht, Vermögen und Einfluss“ ist, war und ist es stimmig, Münzen und Scheine nicht nur so zu gestalten, dass sie voneinander zu unterscheiden sind, sondern ihnen auch eine entsprechende kulturelle „Aura“ zu geben.

Seit der Antike zieren Herrscherportraits das Münzgeld. Mit der Krönung eines Thronfolgers, bei einem Macht- oder Regierungswechsel kommt zumeist auch neues Geld in Umlauf – Spanien ersetzte in den siebziger Jahren auf seinen Pesetas Franco-Portraits durch das Bildnis von König Juan Carlos. Auf den Rubelscheinen, die 1998 in Russland neu ausgegeben wurden, sind Lenin, Hammer und Sichel oder der rote Stern selbstverständlich verpönt.

Im demokratischen Zeitalter entscheidet man sich für Kultur- und Geistesgrößen, Clara Schumann auf dem Hundertmarkschein etwa, oder für historisch bedeutsame Baumonumente. Solche Motive sind politisch neutral, und sie ermöglichen eine Koppelung des Geldes an geistes- und kulturgeschichtliche Leistungen, wodurch ein „Imagetransfer“ stattfindet, der das Geld auratisiert….

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