Titel: Kunst und Geld , 2000

BERNARD LIETAER:

»Nachhaltige Wirtschaft«

EIN GESPRÄCH VON JÜRGEN RAAP

Das herrschende Geldsystem gründet auf der Knappheit (von Geld) und auf Konkurrenz als Motivation. Rein profitorientierte Investitionen erfolgen zumeist in ökologisch unverträgliche Großprojekte. Für Bernard Lietaer, Dozent am Institute for Sustainable Resources der University of California in Berkeley und Autor von „Das Geld der Zukunft“ (Riemann Verlag, Oktober 1999), ist der Zusammenhang zwischen dem globalen Geldsystem, dem Auslöschen der Artenvielfalt und einer sozialen und ökonomischen Verarmung offensichtlich: Denn das Bankensystem funktioniert nach dem Mechanismus, dass der eine nur Geld haben kann, weil ein anderer Schulden hat. Lietaer plädiert daher für ein anderes Geldsystem: einem Nebeneinander von einer globalen Referenzwährung, multinationalen Integrationswährungen à la Euro, herkömmlichen Landeswährungen und lokalen Komplementärwährungen, die auf gegenseitigem Kredit beruhen.

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Jürgen Raap: Herr Lietaer, Sie hatten für die belgische Zentralbank einst an der Einführung des ECU verantwortlich mitgewirkt und waren Ende der achtziger Jahre Geschäftsführer und Währungshändler des Hedge-Fonds „Gaia Hedge II“. Heute arbeiten Sie als Hochschullehrer in den USA und haben „ideologisch“ die Seiten gewechselt: In Ihrem soeben erschienenen Buch „Das Geld der Zukunft“ analysieren Sie schonungslos, dass die Probleme einer Überalterung der Bevölkerung in den Industrieländern, die Freisetzung von menschlicher Arbeitskraft durch die Informationsrevolution, die Klimaveränderung und das Artensterben sowie die Krisen durch Währungsinstabilität nur zu bewältigen sind, wenn wir „die heutige Vorstellung von Geld in Frage stellen“ (S. 37). Als Alternative plädieren Sie für eine „nachhaltige Wirtschaft“. Diese wäre ökologisch weitaus sensibler als die konventionelle Ökonomie und ließe individueller Kreativität mehr Raum, weil sie nicht auf Kapitalvermehrung aus…

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