Titel: Kunst und Geld · von Jürgen Raap · S. 100
Titel: Kunst und Geld , 2000

JÜRGEN RAAP

Sozialmaschine Geld

O.K CENTRUM FÜR GEGENWARTSKUNST OBERÖSTERREICH, LINZ
LINZ, 3. 12 1999 – 31. 1. 2000

I.

Mit einem kulturgeschichtlichen (Konzept: Dr. Wolfgang Pircher) und einem künstlerischen Teil (Kurator: Gottfried Hattinger) widmet sich das O.K-Centrum in Linz dem Thema „Sozialmaschine Geld“ (3. Dezember 1999 bis 31. Januar 2000). Anlass ist die Euro-Einführung, die offenbar auch in Österreich Inflationsängste auslöst.

Den Titel begründen die Kuratoren mit der Tatsache, dass Geld eben nicht nur ein rein rechnerisches System darstellt, sondern kulturelle und soziale Bedeutungen evoziert: „Für sich genommen so gut wie nutz- und wertlos, repräsentiert das Geld in einer monetären Gesellschaft den Wert schlechthin. Geld wirkt und bewirkt, ohne Geld geht nichts, es ,prägt‘ eine Gesellschaft: Geld vermittelt nicht nur die Individuen in den sozialen Zusammenhang, sondern stellt zwischen ihnen eine fast technische Verschaltung her: Sozialmaschine Geld“1. Geld ist mithin ein Kommunikationsmedium nicht nur im alltäglichen Tausch, sondern es dient darüber hinaus sozialen Vereinbarungen, Abgrenzungen und Ausgrenzungen („Sozialprestige“), und es ist sowohl zwischenmenschlich als auch in der Konkurrenz der Volkswirtschaften ein Machtfaktor, wenn wirtschaftliche Stärke als Repressionsmoment gegenüber dem Schwächeren eingesetzt wird. Erst über eine Kapitalakkumulation lässt sich nicht nur eine wirtschaftliche Kraft erreichen, die gegenüber der physischen und geistigen Arbeitskraft dominiert, sondern bekanntlich auch soziale Unabhängigkeit und gesellschaftlicher Einfluss.

Der kulturgeschichtliche Teil der Ausstellung dokumentiert den Wandel der Geldwirtschaft vom Mittelalter bis zum Abkommen von Bretton Woods 1944 (Einführung des US-Dollar als Leitwährung), und zwar als eine Geschichte der „zunehmenden Abstraktion“: „Die Geistesgeschichte des Geldes (ist) eng an das Denken reiner Quantitäten gebunden, das sich sowohl…

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