Titel: Kunst und Geld · von Jürgen Raap · S. 98
Titel: Kunst und Geld , 2000

Herbert Koller:
Ideelle Bereicherung

Herbert Koller schuf 1997/98 eine Reihe mit computergenerierten Bildern, deren Ikonografie eine Verbindung zwischen kunsthistorischen Idealvorstellungen und heutiger elektronischer Virtualität herstellt. Zum Teil sind dies „Bilder vom Himmlischen Jerusalem“, d.h. von biblischen Vorstellungen einer Idealstadt, die nichts mit der realen Stadt Jerusalem zu tun haben. Gleichwohl fließen Berufungen auf die mythologische Bedeutung einer solchen „Gelobten Stadt“ oder „Heiligen Stadt“ auch in die heutigen politischen Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Palästinensern über die Definition ihres Status ein.

In diesem Kontrast zwischen Heilig-Erhabenem und Profanem hat auch Kollers Parole „Kunst unterstützt die Wirtschaft“ eine Bedeutung, die nicht nur ironische Umkehrung des Kultursponsorings meint: Kunst bereichert die Ökonomie ideell, sie liefert ihr ein Bild von der Welt, das sie – verstrickt in ihre Zahlenarithmetik und im Denken verengt auf Bemühungen der Kapitalvermehrung – allein bzw. „aus sich heraus“ nicht entwerfen kann. Die Kunst leugnet nicht ihre Wurzeln zu den kultisch-sakralen Ursprüngen, während die Schacher sich damit abfinden müssen, dass sie einst aus dem Tempel verwiesen wurden, und womöglich bilden sie sich ein, über die Aura der Kunst ihre Banken zu Ersatztempeln machen zu können. Das zielt auf Tieferes als bloß auf jene Dekoration zur Hebung eines Images, die Hans-Jörg Tauchert und andere Künstler mit ihrer Kapitalismuskritik anprangern. Auch der Betriebswirtschaftler Peter Bendixen weist darauf hin, dass Geld durch eine kulturelle Auratisierung seine Anrüchigkeit des „schnöden Mammons“ verliert: die Wirtschaft braucht tatsächlich die Unterstützung durch die Kunst. Hans Haacke setzt der Geld-Ideologie eine Idee „Zum Management des symbolischen Kapitals“ entgegen.

Erst, wenn sich Geld mit…

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