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Ausstellungen: Hannover · von Rainer Unruh · S. 360 - 361
Ausstellungen: Hannover , 2005

Rainer Unruh
Dieter Roth & Dorothy Iannone

Sprengel Museum Hannover, 22.5. – 11.9.2005

Zwei Löwen bewachen die Ausstellung. Es sind wahrscheinlich die sanftesten Raubtiere der Kunstgeschichte. Dieter Roth (1930-1998) formte die beiden Löwenbüsten rechts und links vom Eingang der Werkschau in Hannover aus Zucker und Lebensmittelfarbe. Eine ist gelb, die andere türkis, und beide sind ein wenig schief und deformiert, wie Stofftiere, die zu heiß gewaschen wurden. Wer sie passiert, läuft auf ein Gemälde von Dorothy Iannone zu. “All” (1967) ist groß, bunt und verwirrend, eine Ansammlung von grell leuchtenden, miteinander verwobenen Mustern, in denen eine mehrmals wiederkehrende stilisierte Frauenfigur ins Auge springt. Man könnte denken, ein Teppichknüpfer im LSD-Rausch habe seine Phantasie Purzelbäume schlagen lassen.

Dieter Roth und Dorothy Iannone waren ein Paar, aber ihre Kunst ist grundverschieden. Roth, der Deutsche, experimentierte unaufhörlich mit Formen und Materialien. Er wollte sich um keinen Preis festlegen, änderte sogar die Schreibweise seines Namens, weil Identität für ihn ein Kerker war. Iannone, die Amerikanerin, fand nach Anfängen, die vom abstrakten Expressionismus geprägt waren, zu einer figurativen Malerei mit stark dekorativen und erotischen Zügen, die durch die Verwendung von Texten im Bild einen narrativen und autobiographischen Charakter erhält. Da liegt es nahe, dass sie ihre Beziehung zu Dieter Roth in Form einer Bildergeschichte erzählt. Die “Icelandic Saga”, 48 Tuschezeichnungen auf Karton, schildert in Bild und Wort, wie Dorothy Iannone im Sommer 1967 mit ihrem damaligen Mann und einem Freund an Bord eines Schiffs von New York nach Reykjavik reist. Als Iannone dort am 24. Juni ankommt, erwartet…


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