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Ausstellungen: Hannover · von Michael Stoeber · S. 357 - 359
Ausstellungen: Hannover , 2005

Michael Stoeber
Gilbert & George

»Twenty London East End Pictures«
Kestnergesellschaft Hannover, 28.4. – 17.7.05

Laut schlug die Tür der Bildhauerklasse zu an der berühmten Saint Martin´s School of Art. Unter Protest verließ der renommierte Lehrer Anthony Caro den Raum. Gerade hatten zwei seiner Studenten, die unter dem Namen Gilbert & George als Künstlerduo tätig waren, ihre Examensarbeit vorgestellt. Die beiden zeigten kein künstlerisches Artefakt, sondern die Skulptur waren sie selbst. Sie hatten die übliche Subjekt-Objekt Dichotomie, hier der Autor, da sein Werk, aufgehoben und traten als „Singing Sculpture“ auf, als singende Skulptur. Die Gesichter metallisch eingefärbt, in Anzügen, mit Handschuhen, Stock und Hut, bewegten sie sich streng ritualisiert auf einem Tisch nach einem populären Song aus den vierziger Jahren: „Under the Arches“. Caro wusste, wenn diese Form von Kunst eine Zukunft haben würde und Furore machen sollte, dann wäre er arbeitslos. Was er da miterlebte, so viel hatte er sofort verstanden, war nichts anderes als ein ödipaler Anschlag auf seine artistische Existenz.

Gilbert, der aus Südtirol zum Studium nach London gekommen war, und George aus dem englischen Devon, einte dieselbe Abneigung gegen eine Kunst, die sich im bloßen Formalismus erschöpfte, und die Sehnsucht nach einer Kunst, welche die eigene Künstlerexistenz mit in ihre Ästhetisierungspraxis hinein nahm, um so zugleich auch – stellvertretend – vom Leben des Betrachters zu sprechen. Eine Vorstellung, die bereits die Antike kannte und mit dem Gebot des tua res agitur verpflichtend gemacht hatte. Mit dieser Kunstvorstellung konnten die beiden bei Caro keinen Blumentopf gewinnen. Aber als…



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