Titel: Obsessionen I · von Angela Stief · S. 140
Titel: Obsessionen I , 2014

Penny Slinger

Eine somnambule Kunst des Exorzierens

Ein Gespräch mit Angela Stief

Die Engländerin Penny Slinger, die heute in Kalifornien lebt und arbeitet, gehört zu den aktuellen Neuentdeckungen derjenigen Künstlerinnen, die schon in den 1970er Jahren ein beachtliches Werk produziert haben, aber aufgrund eines unglücklichen Double Binds von weiblicher Diskriminierung und feministischem Desinteresse in der Vergangenheit kaum Beachtung erfahren haben. In ihrem einem düsteren Surrealismus verpflichteten Frühwerk, das sich vor allem in der Collageserie An Exorcism veranschaulicht, wendet sie sich, man könnte behaupten obsessiv, der künstlerischen Erkundung der weiblichen Psyche oder vielleicht besser, des Weiblichen per se zu. Angels of Anarchy lautete der Titel einer Ausstellung, an der Penny Slinger vor Kurzem teilnahm, wobei anarchistischer Engel eine für die Künstlerin treffende Bezeichnung ist. Ihr Frühwerk, das sich unerschrocken mit den dunklen Seiten des Lebens, dem Tod und den Tiefen der menschlichen Seele auseinandersetzt, antizipiert den Stil der Gothik-Bewegung und beschäftigt sich vor den Glanztagen der Performancekunst mit einer grenzüberschreitenden Inszenierung von Kunst als Erfahrungsraum und der Thematisierung von BetrachterInnenpositionen. Ihrem jungen, durchaus nicht einfachen Künstlerinnendasein in London, folgte eine Phase der persönlichen Befreiung und ein 15 Jahre dauernder, eskapistischer Lebensabschnitt in der Karibik, wo sie sich intensiv mit Tantra beschäftigte.

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Angela Stief: Die 1960er Jahre waren eine Zeit der sozialen und sexuellen Befreiung und die weiblichen und männlichen Rollenmodelle der Nachkriegszeit bröckelten. Dies war jedoch nur bedingt der Zeitgeist, den Sie hinsichtlich Ihres Werkes Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre erfahren haben. Könnten Sie bitte beschreiben, inwiefern Ihre Arbeit eine Reaktion auf…

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