Ausstellungen: Bonn , 2010

Sabine Müller

Franz Ackermann

Kunstmuseum Bonn, 17.12.2009 – 21.2.2010

Svenja hat ihren Anschlussflug verpasst und sitzt in einem Hotel in Bangkok fest. Ihr einziger Kontakt zur Außenwelt findet über das Telefon statt. Zwischen ihr und dem Mitarbeiter der Fluggesellschaft entwickelt sich ein immer abstruser werdender Dialog, dessen Spielregeln gerade erst erfunden werden. Schließlich verlässt Svenja die Stadt, nicht ohne sich am Telefon von ihrem neuen Bekannten (von dem sie nur die Telefonstimme kennt) in aller Freundschaft zu verabschieden. Die Episode stammt aus Sonja Heiss´ Film „Hotel Very Welcome“ (2007), dem tragikomischen Porträt einiger junger Backpackers, denen als typische Vertreter der „Generation Globalisierung“ die ganze Welt als Erfahrungsraum zur Verfügung steht. Die Stärke des halbdokumentarischen Films liegt darin, die klischeebehaftete Klaviatur der selbstinszenierten Sehnsuchtserzeugung aufs Lustvollste auszuspielen und dennoch den Betrachter in den Sog der Faszination am Fremden mitzunehmen. Wer den Film gesehen hat, erlebt eine Wiederbelebung dieser bewunderungswürdigen Hingabe und Offenheit, mit der sich seine Protagonisten dem kulturellen Clash ausliefern, in der Bonner Ausstellung von Franz Ackermann.

Für Ackermann (geb. 1963) bildet das Reisen seit seinem an ein DAAD-Stipendium gekoppelten Aufenthalt in Hongkong von 1991/92 so etwas wie die Matrix seiner Arbeit. Bereits seit dieser Zeit entstehen vor Ort kleinformatige Studienblätter in der Art visueller Tagebucheintragungen, die so genannten mental maps. Daraus entwickelt er eben diese eigene, unverwechselbare Bildsprache, die den gesamten Wechselausstellungsbereich mit seinen sechs Haupt- und zwei Nebensälen einer malerischen Transformation unterzieht, die neue Maßstäbe setzt. Im Stil von Comics oder eher noch an wandfüllende Graffiti urbanen Gepräges erinnernd, verbinden sich…

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von Sabine Elsa Müller

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